Die Wissenstankstelle für Fertigungsmesstechnik 10 Jahre AUKOM - Quality Engineering

Die Wissenstankstelle für Fertigungsmesstechnik

10 Jahre AUKOM

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AUKOM feierte im Oktober dieses Jahres sein 10jähriges Vereinsjubiläum. Der Verein, der sich eine geräte- und herstellerneutrale Ausbildung von Fertigungsmesstechnikern auf die Fahnen schreibt, blickt seitdem auf eine äußerst erfolgreiche Entwicklung zurück.

Die AUKOM-Ausbildung ist als globaler Ausbildungsstandard anerkannt, fast 8000 Messtechniker wurden geschult, die Ausbildungsinhalte sind kundenorientiert erweitert worden, 27 Firmenmitglieder u.a. Bosch, Daimler, MTU und VW unterstützen das Ausbildungskonzept. Ein guter Grund, um Rückschau zu halten und in die Zukunft zu schauen.

Das Fundament von Messtechnikern in der Produktion
Nur gut ausgebildete Messtechniker liefern zuverlässige Messergebnisse. Diese sind die Basis, Kosten zu reduzieren, Ausschuss zu minimieren und gewinnbringende Entscheidungen zu treffen. Doch wann ist ein Messtechniker gut ausgebildet?
Zunächst, wenn er das Messgerät und die Messsoftware beherrscht. Darüber hinaus ist jedoch unabdingbar ein theoretisches Hintergrundwissen notwendig, das ihn befähigt, Messungen nach dem aktuellen Stand der Technik zu planen und durchzuführen, um nachvollziehbare, zuverlässige Messergebnisse zu erzeugen. Und dieses theoretische Wissen sollte mit einer fundierten, standardisierten Ausbildung vermittelt werden, um Vergleichbarkeit und eine weithin anerkannte Ausbildung zu gewährleisten.
Von der Vision zur Vereinsgründung
Die Notwendigkeit der Schaffung einer standardisierten, theoretischen Ausbildung in der Fertigungsmesstechnik, insbesondere der Koordinatenmesstechnik, war der Fachwelt schon in den 90er Jahren klar. Denn weder die duale Ausbildung von Facharbeitern, noch die Ausbildung von Messtechnikern an Fachhochschulen und Universitäten deckten alle notwendigen Wissensbereiche ab. Und die Hersteller von Koordinatenmessgeräten (KMG) boten in ihren Schulungen nur wenige Inhalte über metrologisches Basiswissen, Mathematik und Physik. Themen wie Standardisierung, Messstrategien und Messunsicherheit (Bild 1) blieben oft unberücksichtigt.
Aus diesem Grund wurde 1998 in einem Forschungsprojekt ein Ausbildungskonzept für Koordinatenmesstechniker entwickelt. Das Projekt wurde unter dem Dach der Forschungsgemeinschaft Qualität (FQS) am Lehrstuhl Qualitätsmanagement und Fertigungsmesstechnik (QFM) der Universität Erlangen durchgeführt und vom Wirtschaftsministerium finanziert. Ein Konsortium bestehend aus den wichtigsten KMG-Herstellern und Anwendern und wissenschaftlichen Einrichtungen (z.B. PTB), begleiteten beratend dieses Projekt. Am Ende des Projekts schlossen sich im Oktober 2001 die meisten Mitglieder des Konsortiums und andere interessierte Firmen in einem Verein mit dem Namen AUKOM (Ausbildung Koordinatenmesstechnik) zusammen, um diese Ausbildung zu realisieren und auf den Markt zu bringen.
Struktur des AUKOM- Konzepts
Das geräte- und herstellerneutrale Ausbildungskonzept ist dreistufig aufgebaut (Bild 2). Jede Ausbildungsstufe endet mit einer unabhängigen Abschlussprüfung und einem allgemein anerkannten Zertifikat, um eine Vergleichbarkeit der Ausbildungsstände zu schaffen. Der Schulungsteilnehmer kann sich vom KMG-Bediener bis hin zum KMG-Experten qualifizieren. Die hierarchisch aufgebaute Ausbildung besitzt Schnittstellen zu herstellerspezifischen Messsoftwareschulungen, so dass ein ganzheitlicher Qualifikationsprozess ermöglicht wird.
AUKOM Inhalte
Jede der drei Ausbildungsstufen ist in 14 Lernmodule unterteilt. Die Dauer der Kurse beträgt zwischen drei und acht Tagen, abhängig von der Kursstufe und von den Vorkenntnissen der Teilnehmer. Die Stufen 1 und 2 behandeln das Basiswissen, z. B. Koordinatensysteme, Aufbau von KMG und Messungen auswerten, und fortgeschrittenes Wissen, z.B. Tolerierung von Werkstücken, Antast- und Messstrategien, Abweichungseinflüsse auf die Messunsicherheit und Überwachung von KMG. Ausführlich werden taktile und optische Sensoren und Grundlagen der Multisensorik vorgestellt.
In der Ausbildungsstufe 3 für KMG-Experten sind neue Module enthalten. Diese behandeln z.B. Grundlagen der Fertigungstechnik, CAD und digitales Filtern. Themen wie Maß-, Form- und Lagetolerierung, Optimierung von Messprozeduren und die Ermittlung der Messunsicherheit werden vertieft.
Die Basis des Erfolgs
Nur durch die Zusammenarbeit aller namhaften Hersteller von KMG, mittlerweile ergänzt durch Hersteller von Formmessgeräten und Lieferanten von Messgerätekomponenten und unterstützt von Großunternehmen wie Bosch, Daimler, MTU und VW konnte ein Industriestandard für die Ausbildung von Fertigungsmesstechnikern geschaffen werden, der mittlerweile eine weithin große Akzeptanz in Industrie und Ausbildungseinrichtungen genießt. Davon zeugen fast 8000 Kursteilnehmer. Der AUKOM Verein bietet selbst keine Kurse an. Dies ist in Deutschland ausschließlich den Mitgliedern des Vereins vorbehalten. Der Verein koordiniert die AUKOM Aktivitäten, und ist für übergeordnete organisatorische Aufgaben und die Weiterentwicklung der AUKOM-Schulungsunterlagen im In- und Ausland zuständig.
AUKOM an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsschulen
Unter den 27 korporierten Mitgliedern von AUKOM befinden sich zwei Universitäten, sechs Fachhochschulen, eine Technikerschule sowie drei Berufsförderungswerke. So erreicht AUKOM auch Personen aus dem Bereich der Erstausbildung und aus Umschulungen, die später in ihren Firmen als Multiplikator auftreten. Das Projekt „AUKOM in Berufsschulen“ steht kurz vor dem Abschluss. Dies wird gemeinsam mit der Universität Duisburg-Essen durchgeführt.
AUKOM im Ausland
Außerhalb von Deutschland werden die AUKOM-Kurse in 15 Ländern angeboten: In Österreich, der Schweiz, in Portugal, Brasilien, Spanien, Argentinien, Mexiko, in den Niederlanden, in Belgien, Luxemburg, Tschechien, in der Slowakei, in Ungarn und neuerdings auch in Rumänien. Außerdem wurden bereits Kurse in Schweden, England und den USA von deutschen Anbietern durchgeführt. Auf der Agenda stehen darüber hinaus Frankreich und China.
Neue Kursangebote von AUKOM
AUKOM hat sich zum Ziel gesetzt, dass alle Mitarbeitergruppen, die direkt oder indirekt mit Fertigungsmesstechnik zu tun haben, einen für sie maßgeschneiderten Kurs besuchen können. Deswegen ist es für die AUKOM-Verantwortlichen ganz klar, dass die seit Jahren erfolgreich angebotenen AUKOM-Kurse der Stufen 1, 2 und 3 durch weitere Kursangebote ergänzt werden müssen. Das sind ganz aktuell ein Kurs für Planer und Manager und ein Kurs für Computertomografie, dem in 2012 ein Kurs für Formmesstechniker folgen wird.
Management- Kurs
Unter dem Slogan „Kultur des guten Messens“ sollen mit diesem Kursangebot Entwickler, Konstrukteure, Lieferantenmanager, Qualitätsmanager und letztendlich Entscheider in Sachen Qualität angesprochen werden. In dem Management-Kurs werden Antworten auf die Fragen: Was kann man tun, um zuverlässige Messergebnisse zu erhalten, auf welche Sachverhalte muss ich achten, wenn ich Ausschuss minimieren und somit Kosten reduzieren will, und welche Entscheidungen sind gewinnbringend, z.B. bei Investitionen in die Messtechnik?
Das Ursachen-Wirkungsdiagramm zum Thema Einflüsse auf das Messergebnis (Bild 3) spielt bei diesem Kurs eine zentrale Rolle. Es verdeutlicht die Komplexität des Themas und ist gleichzeitig ein Lösungsinstrument zur systematischen Ursachenanalyse von Messproblemen. Alleine schon die Kenntnis der einzelnen Einflussfaktoren auf das Messergebnis und damit auf dessen Messunsicherheit kann hilfreich sein für qualitätsfördernde Investitionen.
Unbestreitbar haben die Einflussfaktoren durch den Messgeräteanwender ein oft alles entscheidendes Gewicht. Deswegen ist eine gute Ausbildung, wie AUKOM sie bietet, eine sinnvoll angelegte Investition. So muss ein Messtechniker z.B. wissen, dass eine fachgerechte Aufspannung und Ausrichtung des Werkstückes die Grundlage für zuverlässige, nachvollziehbare Messergebnisse legt und dass dabei die unvermeidbaren Gestaltabweichungen der Werkstücke großen Einfluss auf die gebildeten Bezugssysteme haben.
Kurs Röntgen-Computertomografie
Die industrielle Röntgen-Computertomografie (CT) ist ein relativ neues Messprinzip in der Koordinatenmesstechnik. Sie eröffnet die Möglichkeit, zerstörungsfrei Geometriedaten von inneren und äußeren Werkstückflächen zu erhalten sowie Werkstücke auf Materialfehler wie z.B. Lunker und Einschlüsse zu untersuchen. Der Kurs führt ein in das physikalische Prinzip der Röntgen-CT, behandelt Anlagetechnik und Bauformen, erklärt die Datenverarbeitung vom Durchstrahlungsbild bis zum Maß und beschreibt physikalische Effekte, die sich auf die Messunsicherheit auswirken können. Detailliert wird eingegangen auf die vielfältigen Anwendungen der CT wie z.B. die Erstbemusterung von Werkstücken, die Auswertung von Abweichungen von der Sollgeometrie oder die Prüfung von Materialfehlern (Bild 4).
Zielgruppe für diesen Kurs sind alle am Qualitätsprozess beteiligten Personengruppen, die abklären wollen, in wie weit die CT vorteilhaft in der eigenen Qualitätssicherung eingesetzt werden kann und die sich vor dem Kauf eines Tomografen grundlegend und herstellerneutral informieren wollen. Der Kurs dauert zwei Tage und setzt auf den AUKOM Stufe 1 Kurs auf.
Kurs Formmesstechnik
Die Erfahrung zeigt, dass QS-Personal, das mit Koordinatenmesstechnik betraut ist, häufig auch verantwortlich ist für Formmessungen. Deswegen entwickelt AUKOM über seine Mitglieder einen Kurs Formmesstechnik, der wie der CT-Kurs den erfolgreichen Abschluss des AUKOM 1-Kurses voraussetzt. Der Kurs Formmesstechnik wird voraussichtlich in der ersten Hälfte des kommenden Jahres zur Verfügung stehen.
Fazit
Mit diesen neuen Kursen kommt AUKOM dem Ziel, einen umfassenden Ausbildungsstandard für Fertigungsmesstechnik national und international anbieten zu können, wieder einen guten Schritt näher. Unter dem Motto „AUKOM die Wissenstankstelle“ wird AUKOM dann Messtechnikern, Fertigungstechnikern, Entwicklern, Konstrukteuren und Managern das notwendige fertigungsmesstechnische Basiswissen anbieten, das weit über den ursprünglichen Fokus Koordinatenmesstechnik hinausgeht.
Man sieht, dass AUKOM sich eine gute Basis geschaffen hat, um auch im nächsten Jahrzehnt Mitarbeiter aus dem Bereich Qualitätssicherung in der Produktionstechnik qualifiziert ausbilden zu können.
AUKOM Ausbildung Koordinatenmesstechnik, Braunschweig www.aukom.info
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