Industrielle Bildverarbeitung erschließt sich neue Anwendungsfelder

Der Produktionsoptimierer

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Die deutsche Bildverarbeitungsindustrie bleibt auf Wachstumskurs. 2013 ist die Branche um 5 % gewachsen, so die aktuellen Zahlen des VDMA Fachverbands Robotik+Automation. Allerdings findet das große Wachstum derzeit weniger in industriellen Anwendungen und eher in Asien statt, wie die Vorpressekonferenz zur Messe Vision zeigte.

„Die Zeiten zweistelliger Zuwachsraten für die Bildverarbeitung in Fabrikanwendungen wie der Qualitätssicherung sind in Europa vorbei“, stellte Olaf Munkelt klar, Vorsitzender der VDMA Fachabteilung Industrielle Bildverarbeitung und Geschäftsführer von MVTec Software. „Doch gibt es neue Anwendungen wie etwa in der Medizin, der Verkehrstechnik oder der Pharmabranche. Außerdem steigt die Nachfrage in Asien und Nordamerika stark an.“

2014 übertrafen die Exporte nach Asien erstmals das Ausfuhrvolumen in die europäischen Länder. Zwischen 2008 und 2012 hatten sich die Exporte nach Asien bereits mehr als verdoppelt. Im selben Zeitraum waren die Ausfuhren nach Amerika um 64 % gestiegen, während die Lieferungen nach Europa weitgehend stagnierten.
„Die größten Zeiten der Bildverarbeitung liegen noch vor uns“, ist sich Heiko Frohn sicher, Geschäftsführer von Vitronic. „Das steigende Qualitätsbewusstsein in Ländern außerhalb Europas ist für uns ein großer Treiber. Außerdem wandelt sich die Bildverarbeitung, die traditionell für die Qualitätssicherung im Einsatz ist, immer mehr zum Produktionsoptimierer.“ Die Bildverarbeitung helfe dabei, die Maßhaltigkeit von Produkten zu verifizieren, Gut- und Schlechtteile zu sortieren und durch Prüfungen in der Qualitätssicherung Produkte zu optimieren – gegebenenfalls durch Nacharbeit. Hinzu komme, dass die Bildverarbeitung für die Rückverfolgbarkeit der Produkte sorge.
Mark Williamson, Director Market Development bei Stemmer Imaging, UK, konkretisiert dies: Der Druck zu höherer Effizienz und niedrigeren Kosten werde sich in den Unternehmen in den kommenden Jahren erhöhen: „Wenn die Niedriglohnländer immer größere Anteile der globalen Industrieproduktion übernehmen, muss Europa automatisieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die industrielle Bildverarbeitung ist eine kritische Automatisierungstechnologie, die es uns erlaubt, auf den Weltmärkten zu bestehen. Die Qualität unserer europäischen Produkte ist von zentraler Bedeutung und Bildverarbeitung stellt sicher, dass wir sie liefern.“
In Nordamerika will die Branche von der Re-Industrialisierung und damit von der steigenden Automatisierung profitieren. „Der Grund für die Rückkehr liegt in der höheren Qualität der Industrieproduktion und genau dies bedarf einer verstärkten Automatisierung. Der zweite liegt im gleichzeitigen Wiedererstarken unserer Automobilindustrie. Schon diese beiden Faktoren wirken als große Wachstumstreiber für den nordamerikanischen Markt“, ist Mike Cyros überzeugt, CCO bei Allied Vision Technologies, USA. Jeff Burnstein, President der beiden US-Branchenverbände Association for Advancing Automation (A3) und Automated Imaging Association (AIA), prognostiziert sogar „eine überwältigende Zukunft für die Bildverarbeitung in der Industrieproduktion als Teil der Re-Industrialisierung, die in Nordamerika vonstatten geht“.
Doch Dietmar Ley, Vorstandsvorsitzender von Basler, bremst die Euphorie ein wenig: „Die Re-Industrialisierung ist derzeit noch in einem frühen Stadium, deshalb spiegelt sie sich derzeit noch nicht in den Zahlen wider. Alleine auf die Rückkehr der Massenfertigung sollte man allerdings nicht warten.“
Vollkommen anders sieht die Situation in Asien aus. Rasante Wachstumsraten sind hier noch an der Tagesordnung: Die zentralen Fragen lauten hier: Wie groß ist der Bedarf an Automatisierungstechnik und damit auch an industrieller Bildverarbeitung in den kommenden Jahren? „Sehr hoch“, sagt Sungho Huh, Director of Technical Marketing des südkoreanischen Anbieters Envision und im Vorstand des Branchenverbands Korea Machine Vision Industrial Association (KMVIA): „Mit den steigenden Lohnkosten in Asien sind die asiatischen Länder nicht mehr so attraktiv für arbeitsintensive Industriesektoren. Viele Hersteller möchten ihr Preis-Leistungs-Verhältnis verbessern wie auch die Qualitätskontrolle. Deshalb versuchen sie, mehr Robotersysteme und Bildverarbeitungstechnologie einzusetzen.“
Die europäischen Hersteller spüren mittlerweile die Konkurrenz aus Asien – und stellen sich auf die Märkte ein. Nach Aussagen von Munkelt seien vor allem „passgenaue, regionale Produkte“ von europäischen Herstellern erfolgreich; „Over-Engineering“ hingegen sei nicht angebracht. Ley bestätigt: Man müsse einen „pragmatischen Gut-Genug-Ansatz“ verfolgen, um in Asien erfolgreich zu sein. „Außerdem muss man in Asien vor Ort präsent sein, denn die Kunden erwarten bei Problemen eine schnelle Reaktionszeit, die man nur mit einem Team vor Ort garantieren kann.“ ■
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