Moderne Testumgebung für historische Motoren

Edel-Oldtimer werden auf den Prüfstand gestellt

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Prüfstände sind nicht nur aktuellen Fahrzeugtypen vorbehalten. Roos Engineering restauriert historische Modelle der britischen Marke Aston Martin und nutzt dafür Prüfsysteme von Technogerma. Diese stellen sicher, dass das Unternehmen funktionierende und zertifizierte Motoren bereit stellen kann.

Üblicherweise werden Motoren während umfangreicher Restaurierungen überholt und verbaut. Einstellungs- und Prüfarbeiten werden dabei wie vor 50 oder 100 Jahren durchgeführt. So tritt der Kunde, der fünf- bis sechsstellige Beträge in einen Oldtimer investiert, in den Status des Prüfers.

Beat Roos, Gründer und Geschäftsführer von Roos Engineering hat höhere Ansprüche: „Mit heutiger Technologie können auch historische Motoren eingestellt und standfest gemacht werden. Über die Vergasereinstellung wird die Verbrennung beeinflusst, ebenso die Abgaswerte.“ Auch die zukünftige Lebensdauer eines Motors hänge von vielen Faktoren ab, die über einen Prüfstand abgeglichen werden können. Wer also bei Oldtimern wie den Aston-Martin-Fahrzeugen an ausschließlich verschmierte Hände und romantische Werkstätten im Stil der 50er-Jahre denkt, sieht die Welt mit gar zu romantischen Augen.
Für die Ingenieure von Technogerma bedeutete der Prüfstand eine Herausforderung – statt modernster Technik von morgen und übermorgen sollen Motoren auf dem Prüfstand stehen, die bis ins Jahr 1915 zurückdatiert werden können. Zu beachten sind dabei zahlreiche Merkmale im Unterschied zu Motoren aus der Neuzeit.
Sämtliche Motorenmodelle müssen getestet werden
„Der Prüfstand sollte mit wenig Aufwand einrüstbar sein. Für die sämtliche Motoren, die Aston Martin jemals gebaut hat“, erklärt Wolfram Klass, Vertriebsleiter von Technogerma. „Zu beachten ist dabei, dass bei Vorkriegsmotoren die Drehrichtung des Motors an der Kurbelwelle umgekehrt ist. Auch sollten sowohl Einspritz- wie auch Vergasermotoren geprüft werden können.“
Nicht nur die klassischen Sechszylinder-Reihenmotoren sollten also prüfbar sein, sondern auch die seltenen Vierzylinder, die Achtzylinder oder modernen Zwölfzylindermotoren. Die komplette Motorenpalette soll auf dem Prüfstand getestet werden können – egal, ob Einfach- oder Mehrfachvergaser, Einspritzer oder zwangsbeatmete Motoren. So sind auch die Aggregate mit Kompressor- oder Turboaufladung prüfbar. Für Roos steht hier vor allem die Nachweisbarkeit im Vordergrund. Jeder Motor, der von Roos Engineering überholt wurde, erhält ein Zertifikat über die Einlaufphase auf dem Prüfstand. So werden Einlaufzyklen und Testzyklen mit den Motoren durchgeführt, nach denen sichergestellt ist, dass der teilweise mit immensem Aufwand überholte und verbesserte Motor einwandfrei arbeitet. Ebenso wichtig ist die Optimierung der Motoren auf dem Prüfstand: Zum einen soll die Leistung optimal erreicht werden, zum anderen soll der Benzinverbrauch angemessen sein. Auch die Abgaswerte sind ein wichtiges Stellglied – schließlich soll kein historisches Fahrzeug die Umwelt mehr schädigen als nötig.
Auch analoge Signale lassen sich verarbeiten
Für effizientes Arbeiten unerlässlich ist die geregelte Medienversorgung des Motors. Analyse- und Messtechnikschnittstellen sorgen für steten Datenfluss. Im Vergleich zu modernen Prüfständen gilt es hierbei, auch analoge Signale und mechanische Lösungen zu verarbeiten. Die Ansteuerung der Vergaser ist hierbei nur eine der Herausforderungen: „Im Kern haben sich Motoren nur wenig verändert – Hubkolben bleibt Hubkolben“, so Klass. „Doch die Peripherie wie die Gemischaufbereitung hat Quantensprünge vollführt. Hier mussten wir bewusst einen Schritt zurückgehen, um mit allen Motorkonzepten arbeiten zu können.“
Die Belastungseinrichtung des Prüfstandes verkraftet dabei bis zu 1000 Newtonmeter Drehmoment. Die möglichen Drehzahlen können bis zu 9000 Umdrehungen pro Minute betragen. Bis zu 470 Kilowatt kann die Bremsleistung betragen, die an der Kurbelwelle anliegt. Die umfangreiche Messtechnik ist dabei besonders abgestimmt auf die verschiedenen Motorentypen, die auf dem Prüfstand zum Einsatz kommen.
„Dieser Prüfstand ist in unserer Motorenrestaurierung ein entscheidender Bestandteil. Dadurch sind wir in der Lage, einen belegbar zertifizierten Motor einbauen zu können. Mehr Sicherheit ist einem Kunden ebenso wie uns kaum zu geben“, stellt Roos fest. Als einer von nur 13 weltweiten Heritage-Betrieben für Aston Martin führen die Spezialisten umfangreiche Vollrestaurierungen durch. In besonderen Fällen werden auch Motorblöcke neu gegossen, um das zerstörte Original zu ersetzen. Bei solchen Neubauten sind Prüfstandsläufe unbedingt notwendig – so lassen sich neue Weber-Vergaserbatterien nicht ohne Überwachung der Leistungskenndaten und Abgaswerte einstellen.
Die Lösung der Technogerma-Ingenieure ist dabei schlüsselfertig angeliefert worden und nahtlos in die bestehende Gebäudeinfrastruktur in Safenwil integriert. Ein Automatisierungssystem macht den Wechsel der Prüflinge einfach. Wichtige Versorgungseinrichtungen wie zum Beispiel die Motorkühlung und die Benzinversorgung können in nur wenigen Minuten auf neue Prüflinge umgerüstet werden. Die Motorträger sind dabei so eingerichtet, dass ein schneller und komfortabler Tausch ermöglicht wird und auch der Wechsel zwischen V-Motoren und Reihenmotoren einfach zu bewerkstelligen ist.
Aufbau des Prüfstands nimmt nur wenig Zeit in Anspruch
Von der Auftragserteilung an Technogerma nahm das Projekt lediglich acht Monate in Anspruch, ehe mit den ersten Probeläufen der Prüfstand eingeweiht werden konnte. Seit einigen Monaten bereits ist der Prüfstand im Einsatz und ermöglicht die Prüfung und Zertifizierung der Triebwerke von Aston Martin, die aus unterschiedlichsten Baujahren stammen. Dabei kann eine Motorenrevision für ein solches Fahrzeug Investitionen bis zu 30 000 Euro erfordern. Eine sichere Anlage, ist sich Roos sicher: „Oldtimer haben in den vergangenen Jahren enorm an Wert gewonnen. Und je älter sie sind, desto eher trifft dies zu. Fahrzeuge, die in den 70er-Jahren noch für weniger als 10 000 Franken zu haben waren, kosten heute bereits Millionenbeträge“, so der Kenner.
Mit dem Vertrauen in einen zertifizierten Motor starten Roos’ Kunden mit einem guten Gefühl vom Hof – zudem steht hinter dem Prüfstand eine effiziente Form der Qualitätssicherung. Und die ist entscheidend bei Restaurierungsprojekten, die bis zu 8000 Stunden in Anspruch nehmen können.
Auch andere Motoreninstandsetzer und Restaurierungsbetriebe sollen zukünftig den Prüfstand bei Roos Engineering in der Schweiz nutzen können. Für die Ingenieure von Technogerma ist das Projekt willkommene Abwechslung gewesen – gilt es doch sonst meist, die Lastenhefte zu Antriebskonzepten zu erfüllen, die erst noch auf dem Weg zur Marktreife sind.
Technogerma, Darmstadt www.technogerma.com
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