Datenbrillen auf dem Weg in die Qualitätssicherung

Eine tragbare Lösung

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Vor allem im Logistikbereich sorgen Datenbrillen bereits für sicherere Abläufe, wie Pilotprojekte zeigen. In der Qualitätssicherung könnte dies auch funktionieren. Doch noch gibt es einige Hindernisse.

Eine Effizienzsteigerung von 25 % hat DHL in einem Distributionszentrum in den Niederlanden in der Kommissionierung mit Google Glass, der derzeit bekanntesten Datenbrille, erzielt. Den Beschäftigten wurden in einem Pilotprojekt schrittweise Arbeitsanweisungen in die Brille eingeblendet – zum Beispiel, wo sich der gesuchte Artikel genau befindet und in welcher Menge er benötigt wird. Das DHL-Fazit: Die Augmented-Reality-gestützte Kommissionierung komme ohne überflüssige Handgriffe aus und sei erheblich produktiver.

„Das Visuelle prägt sich besser und leichter ein. Das führt zu einer Kommissionierung, die schneller ist und geringere Fehlerraten aufweist als die zumeist verwendeten Picklisten auf Papier oder Audiolösungen, die Mitarbeiter über eine Sprachsteuerung zu den Regalen führen“, bestätigt Professor Michael Lawo, Projektleiter am Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen. Das TZI hat durch ein Transferprojekt dem Bremer Start-up Unternehmen Ubimax auf den Weg geholfen. Es ist einer von weltweit zehn Glass Certifiied Partnern von Google. Google entwickelt seine Datenbrille mittlerweile nur noch ausschließlich für solche Unternehmenslösungen weiter. Ubimax’ Kommissionierlösung Xpick wurde mit der Datenbrille von Google bislang nicht nur von DHL getestet, sondern auch von Daimler und VW.
BMW setzt in seinem US-Werk in Spartanburg, seit einem Jahr in der Qualitätssicherung die Schwester-Lösung Xinspect ein – in einem Pilotprojekt zur Verbesserung der Kommunikation zwischen den Qualitätsprüfern im Analysezentrum der Vorserienproduktion und den Entwicklungsingenieuren. Zuvor wurden eventuelle Beanstandungen an den Vorserienfahrzeugen schriftlich dokumentiert. Doch blieben die Problembeschreibungen manchmal zu vage, sodass die Fachabteilungen in einem Viertel aller Fälle rückfragen mussten. Mit Google Glas können die Mitarbeiter nun ihre Berichte mit Fotos oder Videos anreichern. Im zweiten Schritt hatte BMW den Einsatz der Technologie bei der Abarbeitung von Prüfplänen in der Endmontage von Serienfahrzeugen geplant. Die Prüfpläne könnten auf die Datenbrille projiziert werden, sodass für die Mitarbeiter das ständige Pendeln zwischen Fahrzeug und stationärem Computer-Terminal zur Dateneingabe entfallen könnte.
Damit ist BMW bislang eines der wenigen Unternehmen, die Datenbrillen im Bereich Qualitätssicherung einsetzen. „Im Vergleich zu Kommissioniertätigkeiten benötigt man in der Qualitätssicherung eine größere Datenmenge, dies erschwert entsprechende Applikationen für Datenbrillen“, sagt Gerhard Sewald, Geschäftsführer von Mecotec. Das Unternehmen aus Hattingen, das Mess- und Regelungstechnik herstellt, entwickelt derzeit gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP in einem vom BMBF geförderten Projekt Anwendungsszenarien für eine interaktive OLED-Datenbrille. „Google Glass bietet diese Interaktivität nicht an“, sagt Sewald. „Unser Display verfügt über eine integrierte Kamera, die die Iris des Auges permanent abscannt. Schaut der Anwender auf einen bestimmten Punkt, so kann er damit eine Aktion auslösen.“
Eine entsprechende Anwendung hat Mecotec bereits entwickelt: „Unser Display verfügt über eine integrierte Kamera, die die Iris des Auges permanent abscannt. Schaut der Anwender auf einen bestimmten Punkt, so kann er damit eine Aktion auslösen.“ Eine entsprechende Anwendung hat Mecotec bereits entwickelt: Einen Kalibrier-Druckregler, der für den Feldeinsatz konzipiert ist. Statt wie bisher mit Messgerät und Handpumpe könnte in Zukunft über die Datenbrille einfach der Druckregler über Augenkontakt automatisch die einzelnen Drücke anfahren oder eine komplette Kalibrierroutine ausführen, einschließlich Datenaufzeichnung und Protokollausdruck. „Dies würde das Kalibrieren einer Messstelle um 75 Prozent beschleunigen. Innerhalb weniger Minuten wäre dies erledigt. In einem Kraftwerk mit mehreren tausend Messstellen würde dies eine deutliche Zeitersparnis bedeuten“, so Sewald. „Außerdem hätte der Messtechniker bei der Arbeit die Hände frei.“
Allerdings erweist sich die im Projekt genutzte Technik derzeit noch als sehr teuer. Das Fraunhofer FEP arbeitet deshalb für diese Anwendung an einem monochromen Display, das zudem weniger Energie benötigt und außerdem über Bluetooth ansprechbar sein soll. ■
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