Innovationsforum der Quality Engineering zeigt Wege zur Qualitätssicherung 4.0

Hardware und Wetware

Gleich zu Beginn der Veranstaltung diskutierten Jan Linnenbürger von Renishaw, Benedikt Sommerhoff von der DGQ und André Harms von Keyence (von links) – eingerahmt von den beiden QE-Redakteuren Sabine Koll und Markus Strehlitz Bild: Tom Öttle Der Autor Markus Strehlitz Redaktion Quality Engineering
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Die Entwicklung zur Smarten Fabrik wird die Unternehmen und die Qualitätssicherung extrem verändern, so der Tenor auf dem zweiten Innovationsforum von Quality Engineering. Gefordert sind Flexibilität und die Bereitschaft der Menschen, neben der Technik auch sich selbst zu vernetzen. Das waren auch die Themen der Podiumsdiskussion.

„Viele glauben ja, dass Industrie 4.0 nur ein Hype ist, der bald wieder vorüber geht. Aber damit irren sie sich“, sagte Benedikt Sommerhoff gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion. „Dieses Thema wird uns noch in den kommenden 15 bis 30 Jahren beschäftigen“, so Sommerhoff weiter. Er ist Leiter DGQ regional bei der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ). Und in seiner Einschätzung war er sich mit seinen Mitdiskutanten Jan Linnenbürger und André Harms einig.

„Industrie 4.0 ist ein schöner Begriff, denn er sorgt für neuen Schwung“, glaubt etwa Harms, der bei Keyence als Vertriebsleiter für den Bereich Messtechnik tätig ist. Seiner Meinung nach müssten Unternehmen dringend erkennen, dass sie sich verändern müssen. Denn Industrie 4.0 treibe den Trend zu kleinen Stückzahlen voran. Das bedeutet: Die Firmen und mit ihnen die Qualitätssicherung müssen flexibler und schneller werden.
Die Voraussetzungen dafür sind zu einem gewissen Teil schon vorhanden. Dessen ist sich Linnenbürger sicher, Leiter Messtechnik und Qualitätssicherung bei Renishaw. „Vieles von dem, was unter Industrie 4.0 verstanden wird, hat man schon früher bei CIM – also Computer Integrated Manufacturing – gemacht“, meint Linnenbürger. Und viele Schnittstellen, um Dinge zu vernetzen, existierten bereits.
Vieles passiert auf Zuruf
Diese Möglichkeiten werden nach Meinung von Harms aber noch zu selten genutzt. Das glaubt auch sein Kollege von Renishaw. Linnenbürger berichtet, dass viele Aufgaben in der Fabriken noch immer manuell erledigt werden. Als Beispiel nennt er, wie eine Maschine darüber informiert wird, dass ein Koordinatenmessgerät mit der Messung eines Teils fertig ist und die Ergebnisse nun vorliegen. „Das passiert in vielen Unternehmen noch auf Zuruf“, so Linnenbürger. Eine solche Vorgehensweise sei aber fehleranfällig.
Grundsätzlich ist die Qualitätssicherung laut Harms nicht mehr von der Fertigung zu trennen, sondern ist voll integriert. „Wer nur mit dem Messraum arbeitet und versucht, quasi hinterher die Qualität reinzuprüfen, der wird mit seinen Produkten nur bedingt Erfolg haben“, sagt Harms.
Um die Smarte Fabrik aufzubauen, müssen aber nicht nur die Maschinen kooperationsfähig sein. Auch die Menschen müssen in der Lage, miteinander zu arbeiten. Dies ist eine weitere wichtige Erkenntnis aus dem Innovationsforum.
„Wir alle müssen gemeinsam an den Schnittstellen und Protokollen arbeiten, um unsere Systeme miteinander zu integrieren“, sagt Linnenbürger. Das gelte für alle Hersteller, deren Technik in die Prozesse involviert ist – zum Beispiel für die Maschinenbauer, die Komponentenlieferanten oder die Software-Anbieter.
„Wir müssen gemeinsam an Lösungen arbeiten“, glaubt auch Harms. Die verschiedenen Technologien hängen schließlich voneinander ab. Die Messtechnik braucht zum Beispiel die Software, um die Daten auszuwerten. „In solchen Zusammenhängen müssen wir denken“, so Harms. „Das erwarten die Anwender von uns.“ Doch das sei noch eine große Herausforderung.
Gerade hierzulande ist die besonders groß, glaubt Sommerhoff. „Industrie 4.0 ist ein zutiefst deutscher Begriff, wir denken dabei aber noch zu sehr hardware-lastig.“ Wenn es um die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung geht, sei aber nicht nur die Hardware, sondern auch die Wetware entscheidend. Damit meint er den Menschen, der ja zum überwiegenden Teil aus Wasser besteht.
„In der menschlichen Vernetzung sind wir leider nicht so gut“, so Sommerhoff. „Wir müssten viel stärker bereit sein, auch interdisziplinär zu arbeiten und übergreifend zu denken.“
Das bedeutet auch, das Thema Industrie 4.0 zu nutzen, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. „Wir müssen über die Messtechnik hinaus denken“, erklärt Sommerhoff, „und zum Beispiel die Felddaten – also die Informationen, die von den Geräten beim Kunden kommen – mit den Fertigungsdaten verknüpfen.“
Mit diesen lassen sich Rückschlüsse auf die Produktion schließen, aber eben auch neue Geschäftsmodelle umsetzen. Dieser Ansicht ist auch Linnenbürger. „Es läuft alles darauf hinaus, künftig mehr Services anzubieten“, so der Renishaw-Experte.
So viel wie nötig oder so viel wie möglich?
Die Basis solcher Möglichkeiten sind die Daten. Und davon wird es in Zukunft deutlich mehr geben. Laut Linnenbürger wird dies dazu führen, dass künftig nicht mehr alles geprüft werden muss. Da insgesamt mehr Informationen zur Verfügung stehen, kann man sich auf das konzentrieren, was wirklich relevant ist. „Man wird dann nur noch so viel prüfen wie nötig“, glaubt Linnenbürger.
Sommerhoff ist jedoch anderer Ansicht. „Wir sollten jetzt alle Daten sammeln, die wir bekommen können. Denn wir wissen heute noch nicht, welche Informationen wir vielleicht später einmal verwerten können.“
Um dies herauszufinden, braucht man eine intelligente Datenanalyse. Software-Algorithmen werden in der Qualitätssicherung der Zukunft nach Meinung von Sommerhoff eine noch größere Rolle spielen, als sie dies jetzt schon tun. „Doch die Leute, die damit umgehen können, sitzen im Silicon Valley“, sagt Sommerhoff. „Der Qualitäter von heute ist damit überfordert.“ Er glaubt daher, dass es für die Qualitätssicherung künftig wichtig sein wird, sich solche Fähigkeiten anzueignen. ■
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