Europäischer Quality-Kongress in Wien

Qualität als wesentlicher Treiber

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Unter dem Motto „Quality is back – Back to Quality“ fand vom 4. bis 6. Juni der 52. Europäische Qualitätsmanagement Kongress der Quality Austria und der European Organization for Quality (EOQ) in der Wiener Hofburg statt. Insgesamt 500 Kongress-Teilnehmer aus 55 Ländern nahmen an einem dreitägigen Programm teil. Zahlreiche Beispiele aus der Praxis zeigen, wie vielfältig und individuell Qualitätsmanagement eingesetzt werden kann.

Konrad Scheiber, Geschäftsführer der Quality Austria: „Mit top-aktuellen Studien der britischen Experten Boulter und Bendell oder dem Qualitäts-Ländervergleich Österreich:Deutschland, Best Practice-Beiträgen und Expertendiskussionen arbeiten wir bei diesem Kongress Erfolgsfaktoren unternehmerischen Handelns auf internationaler Ebene heraus.“ Grundlage für begeisterte und loyale Kunden und für eine starke Markenentwicklung sei die Qualität des Produktes oder der Dienstleistung sowie die Qualität der Leistungsprozesse zu ihrer Bereitstellung.

Qualität macht Europas Produkte wettbewerbsfähig
Im Jahr 2020 wird Europa als Wirtschaftsraum im globalen Ranking nur noch auf Platz 3 liegen. „Über Qualität können wir uns in Europa abheben. Qualität macht unsere Produkte wettbewerbsfähig,“ erklärt Franz Fischler, ehemaliger EU-Agrarkommissar und Vorsitzender des Ökosozialen Forums Europa. Fischler zeichnete in seiner Rede des 52. EOQ Kongresses ein Bild von Europa im Jahr 2020, das durch eine verstärkte Segmentierung der Märkte gekennzeichnet ist. Qualität sei ein wesentlicher Treiber für die europäische Wirtschaft, auch um Produktivitätsvorsprünge auszubauen und zu halten. Weiters forderte Fischler Investitionen in Forschung & Entwicklung. Fischler: „Insbesondere im Handel werden Qualitätsstandards und ihre Zertifizierung weiter an Bedeutung gewinnen.“ Fischler zeigt sich auch überzeugt, dass mehr und mehr ethische Werte als wesentliches Qualitätskriterium nachgefragt würden.
Qualitätssieger können Aktienkurs um 36% steigern
Die Qualitätsmanagement-Experten Dr. Louise Boulter und Prof. Tony Bendell aus Großbritannien präsentierten eine an der University of Leicester durchgeführte Studie, die zeigt, wie sich die Verleihung eines Quality Awards auf die zukünftige Geschäftstätigkeit eines Unternehmens auswirkt. Zwei Jahre nach einem Award erzielten die Preisträger einen um 24 Prozentpunkte höheren Aktienkurs als vergleichbare Unternehmen, die nicht ausgezeichnet wurden. Nach drei Jahren lag der Unterschied sogar bei 36%. Auch die Umsätze waren im ersten Jahr nach einer Auszeichnung bereits um acht Prozentpunkte höher. Die Kostenstruktur der Preisträger war ebenfalls signifikant besser.
Ägyptisches SEKEM-Modell als Garant höchster Qualität bei Lebensmittel
Helmy Abouleish, Sohn des Alternativen Nobelpreisträgers Ibrahim Abouleish, stellte die 1977 in der Wüste Ägyptens gegründete SEKEM-Initiative vor. „Bei SEKEM geht es um die Zusammenführung von traditionellem orientalischen Wissen und modernen Erkenntnissen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft“, so Abouleish. Durch umfassende soziale Einrichtungen – wie etwa der Gründung der SEKEM Academy –, medizinische Versorgung und kulturelle Angebote konnte ein wesentlicher Einfluss auf die ökologische, soziale und kulturelle Erneuerung Ägyptens genommen werden. Bei SEKEM investieren alle Mitarbeiter 10% ihrer Arbeitszeit in Weiterbildung und kulturelle Aktivitäten. „Aus unserer Sicht zählen Zertifizierungen und die Investitionen in die Mitarbeiter zu den eindeutigen Erfolgsfaktoren. Denn letztendlich sind es die Mitarbeiter, die Qualität wirklich leben und uns damit einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen“, erklärt Abouleish. SEKEM zählt in Ägypten heute zu den größten Herstellern von Kräutertees, Kaffee, Gewürzen, Ölen und weiteren Naturprodukten wie beispielsweise Gesundheitstees und Vitaminpräparaten oder Textilien.
Dass sich ein Trend hin zu mehr Qualität ganz klar in allen Wirtschaftsbereichen abzeichnet, stellten auch Kurt Hofstädter (Siemens Österreich), Bernd Kirschner (MCI), Herbert Pfeilstecher (Sattler AG), Hans Dieter Seghezzi (IAQ) und Konrad Scheiber (Quality Austria) im Rahmen einer Podiumsdiskussion fest. „Selbstverständlich ist der Preis eine wichtige Komponente wenn es darum geht, einen Auftrag zu gewinnen. Ganz wesentlich in der Preisbetrachtung ist es allerdings Aspekte wie Verfügbarkeit, Sicherheit, Wartbarkeit und Life Cycle Costs nicht zu vernachlässigen“, so der Siemens Vorstand Kurt Hofstädter. „Werte wie Innovation, Lösungskompetenz, Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Beständigkeit werden von unseren Kunden vorausgesetzt. Die Einhaltung marktseitig geforderter internationaler Standards wie z.B. ISO 9001, aber auch die konsequente Umsetzung der Anforderungen des Siemens Qualitätsmanagement unterstützen uns dabei, diese Zielsetzungen nachhaltig zu erfüllen.“ Das Management Center Innsbruck fand in einer Untersuchung von 500 Klein- und Mittelbetrieben heraus, dass die Qualität der Produkte und des Services in Verbindung mit hoher Prozessqualität signifikant zum Unternehmenserfolg beiträgt. Bernd Kirschner macht deutlich, dass qualitätsorientierte Unternehmen höhere Gewinne, Umsätze und Marktanteile erzielten. Die zunehmende Beschleunigung im Wirtschaftsleben führt zu mehr Unsicherheit. Hofstädter: „Ein gutes Qualitätsmanagementsystem, das Regeln und Leitplanken aufstellt und die Eigenständigkeit der Mitarbeiter fördert, kann ein wertvolles Instrument sein, diesen Herausforderungen zu begegnen.“ Herbert Pfeilstecher (Sattler AG) betonte, die Mitarbeiter müssten die Prozesse sehr gut kennen und eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können, um frühzeitig Eskalationen und Fehler vermeiden zu können.
Ländervergleich Österreich:Deutschland
Österreichs Führungskräfte sind mitarbeiterorientierter und verfügen über einen deutlich höheren Frauenanteil unter den Top-Entscheidern. Deutsche Kollegen bewegen sich hingegen in einer Ingenieurskultur, die stärker auf Innovation und Flexibilität setzt. Zu diesem Ergebnis kommt der im Zuge der Excellence Barometer (ExBa) Studie erstmals durchgeführte Ländervergleich der Quality Austria zwischen Österreich und Deutschland. Befragt wurden Manager der ersten und zweiten Führungsebene von 300 österreichischen und 246 deutschen Unternehmen. Einigkeit erzielen die Nachbarländer bei den Erfolgsfaktoren: Neben Kundenorientierung wird Qualität am höchsten bewertet. Die Vergleichsstudie des Excellence Barometers zeigt, österreichisches Management ist sozial kompetenter, aber weniger innovationsorientiert. Gerade für deutsche Unternehmen gelten Flexibilität und Innovation als wesentliche Wachstumstreiber, während in Österreich die Mitarbeitermotivation und -qualifikation hoch im Kurs steht. Obwohl beide Länder Kundenorientierung und Qualität zu den wichtigsten unternehmerischen Erfolgsfaktoren zählen, nehmen für Österreichs Führungsebene Kundenbindung und Kundenzufriedenheit einen höheren Stellenwert als in Deutschland ein. Der in der Studie errechnete Loyalitätsindex – errechnet nach Faktoren wie Weiterempfehlungsbereitschaft, Vertrauen, Commitment oder Alleinstellungsanspruch – weist für österreichische Unternehmen einen Wert von 80 Prozent auf, jener deutscher Unternehmen 74 Prozent.
Auch Theo Zahner von der Schweizerischen Vereinigung für Qualitäts- und Managementsysteme schließt sich hier an: „Innovation alleine reicht nicht. Ausschlaggebend sind loyale Kunden und loyale Mitarbeiter. Erst wenn diese Faktoren zusammen spielen, kann ein Unternehmen erfolgreich sein.“
Führungskräfte: persönliche Kompetenz ist entscheidend
Barbara Lawton, ehemalige Assistentin von W. Edward Deming, einer der prägenden Figuren des modernen Qualitätsmanagements und Leiterin des Engineering Management Programs an der University of Colorado, strich die besondere Bedeutung von Führung im Rahmen von Qualitätsmanagement hervor. „Technische und kognitive Kompetenzen reichen bei Führungskräften nicht. Die persönliche Kompetenz ist entscheidend. Es geht darum, was man ist und nicht darum, was man tut,“ so Lawton. Lt. Lawton gehen Änderungen in Unternehmen selten von oben aus. Lawton plädiert dafür lebende Organisationen zu schaffen, wo Veränderungen von unten ausgehen können. Die Aufgabe von Führungskräften ist es, dies zu unterstützen.
Auch in China keine Kompromissbereitschaft beim Thema Qualität
Der österreichische Halbleiterhersteller NXP zeigt, dass es auch bei der Produktion in China keine Kompromisse in Sachen Qualität gibt. „Qualität hatte bei uns von Anfang an Top-Priorität. Wir haben uns an die chinesische Kultur angepasst. Wir haben nicht nur das Ziel vorgegeben, sondern auch erklärt, wie wir dorthin kommen. Und das heruntergebrochen auf kleine Schritte“, erklärt Ernst Müller, Vice President & General Manager Sound Solutions bei NXP Semiconductors.
Dienstleistungsorganisationen setzen auf Qualität
Auch außerhalb der produzierenden Industrie kommt es zu einem verstärkten Einsatz von Qualitätsmanagement. Ein gutes Beispiel dafür präsentierte das AKH Wien, das mit 9.000 Mitarbeitern und 2.137 Krankenbetten bereits seit 1989 nach definierten Qualitätskriterien arbeitet. Die Universität Mozarteum Salzburg präsentierte, wie ISO 9001 in einem lehrenden Kulturbetrieb implementiert werden kann. Damit zählt das Mozarteum Salzburg zu den Pionieren. Auch die MA 34 hat ein umfassendes Qualitätsmanagement eingeführt. Die Zufriedenheit der Kunden der MA34 wird regelmäßig erhoben und kann als sehr hoch eingestuft werden. „Laut der aktuellen Studie ExBa Österreich gehen deutlich über 70 Prozent der Dienstleistungsbetriebe davon aus, dass die Bedeutung von Qualitätsmanagement deutlich bis sehr deutlich zunehmen wird“, weiß Axel Dick von der Quality Austria.
Erfolgsbeispiele aus der Praxis
Worthington Cylinders ist Qualitätsführer auf dem Gebiet der Herstellung von Stahlflaschen für technische Gase und orientiert sich seit 2006 am europäischen EFQM Modell. Im Vorjahr wurde das Unternehmen mit dem Jurypreis „Führung“ des Österreichischen Staatspreises für Qualität ausgezeichnet, weil durch das starke Engagement von Geschäftsführung und Führungskräften, eine Kultur der aktiven Verbesserung sowie der Fortschritt des Unternehmens vorangetrieben wird.
Auch beim 125 Jahre alten österreichischen Familienunternehmen Kotányi, zertifiziert nach dem International Food Standard, ist Qualität zentraler Erfolgsfaktor und dafür verantwortlich, dass das Unternehmen mittlerweile mit 4.500 Artikeln in 18 verschiedenen Sprachen und in 20 Ländern vertreten ist.
Genauso setzt der Schweizer Produzent von Zerspanungswerkzeugen Fraisa auf höchste Qualität und ist nach ISO 9001:2000, ISO 14001:2004 sowie OHSAS 18001:1999 zertifiziert. Dank strukturiertem Prozessmanagement und weitreichenden internen Weiterbildungsmaßnahmen kann Fraisa seinen Kunden technischen Fortschritt bei der Produktion und den Produkten sowie die Gewährleistung gleichbleibend überlegener Qualität garantieren.
Ausblick
Die Kroatische Gesellschaft für Qualität, ebenfalls Mitglied der European Organization for Quality (EOQ) veranstaltet unter dem Titel „Quality in an Age of Transition“ den 53. EOQ Kongress vom 12. bis 14. Mai 2008 in Dubrovnik, Kroatien. (Weitere Informationen unter www.hdkvaliteta.hr). Und auch der Ort für den 54. EOQ-Kongress steht bereits fest. Hier konnte sich die Ukraine erfolgreich dafür bewerben. Weitere Informationen unter www.eoq2010.com.
QE 565

Ländervergleich: Österreicher sind die besseren Unternehmer
Die Firmenchefs der Alpenrepublik haben ihren deutschen Kollegen einiges voraus. Sie führen ihre Mitarbeiter geschickter, entwickeln clevere Serviceideen, haben eine jüngere Führungsmannschaft und beschäftigen mehr Frauen in den Chefetagen. Das belegt eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) und ihrer Partnerorganisation Quality Austria über die unterschiedlichen Erfolgsfaktoren. 653 Mittelständler wurden dazu in beiden Ländern befragt. Das Ergebnis: Die Unternehmen der Alpenrepublik sind besser für die Zukunft aufgestellt als ihre Konkurrenten aus dem Norden. Sie übertrumpfen die Deutschen vor allem in einem Punkt: ihrem exzellenten Beziehungsmanagement.
„Österreichische Unternehmer rücken den Menschen als Mitarbeiter und Kunden in den Mittelpunkt, während in Deutschland eher eine technikorientierte Ingenieurkultur vorherrscht“, erläutert Benedikt Sommerhoff, DGQ-Berater und Autor der Studie. Zwar fahren auch in Österreich nicht alle Unternehmer auf der Überholspur, aber der Vergleich der Leistungsdaten beider Länder ist eindeutig: Die Alpenrepublik liegt stets vor dem großen Nachbarn. Etwa beim aktuellen Wirtschaftswachstum von prognostizierten 3,4 Prozent (Deutschland: 1,7 Prozent), bei einer Arbeitslosenquote von 5,2 Prozent (Deutschland: rund 9 Prozent) und bei einem Durchschnittsbruttolohn in Höhe von 2710 Euro (Deutschland: 2221 Euro).
Was den Unterschied ausmacht?
In Österreich herrscht im Umgang mit Mitarbeitern eine größere Gelassenheit und Fürsorgepflicht der Firmenchefs. So gelangen die dortigen Unternehmen zwar nicht immer auf dem schnellsten Weg zum Erfolg. Aber die Mittelständler des Nachbarlandes eröffnen sich damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: Sie haben engagierte Mitarbeiter. Laut Studie arbeiten dort die Angestellten und Arbeiter im Vergleich zu ihren deutschen Kollegen selbständiger, verfügen über umfassendere Informationen, werden intensiver gefördert, häufiger nach ihrer Meinung gefragt und sind stärker in alle Belange des Unternehmens involviert. Zudem ist jede dritte Führungskraft eine Frau, in Deutschland beträgt der Anteil nur 19 Prozent. „Die hohe soziale Kompetenz führt in Österreich nicht nur zu schnelleren Entscheidungsprozessen, sondern auch zu einer hohen Servicementalität innerhalb der Unternehmen“, erklärt Axel Dick, Experte für Geschäftsentwicklungen bei Quality Austria.
Die Fähigkeit, es menscheln zu lassen, wirkt sich für die Österreicher allerdings noch auf andere Art positiv aus. Wie die ExBa-Studie zeigt, entwickeln österreichische Firmenchefs eine deutlich optimistischere Einschätzung ihrer Geschäftssituation, der Fähigkeit ihrer Mitarbeiter und ihrer Zukunftsaussichten. Dazu Quality Austria-Experte Dick: „Die Österreicher würden ihre Wirtschaft nie krankreden“.
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