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Spitzenleistung braucht mehr

Mit DIN ISO 9000 ff. zum Mittelmaß?
Spitzenleistung braucht mehr

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Stillstand ist Rückschritt – diese Aussage kennt jeder und trotzdem lassen sich viele Unternehmen Jahr für Jahr für viel Geld von den Zertifizierungsgesellschaften bestätigen, daß sie genau wie im Vorjahr die Norm ISO 9000 ff. – ein Mindeststandard für Qualitätssicherungssysteme – erfüllen! Wer jedoch im Zeitalter des immer schärfer werdenden nationalen und internationalen Wettbewerbs bestehen will, benötigt Systeme wie TQM, welche ständige Verbesserung in allen Bereichen des Unternehmens fördern.

Joachim H. Runge, TQM-MCManagement Consulting,Wannweil

Die internationalen Normen ISO 9000 bis ISO 9004 zur Qualitätssicherung sind 1985 besonders auf Drängen Großbritanniens entwickelt worden und haben weltweite Gültigkeit. Sie sind 1987 ins deutsche Normenwerk mit DIN ISO 9000 bis DIN ISO 9004 und in das europäische Normenwerk mit EN 29000 bis EN 29004 übernommen worden. Im europäischen Kontext soll mit diesen Normen ein Mindeststandard für Qualitätssicherungssysteme in Ländern der Europäischen Gemeinschaft definiert werden. Dies wird als Beitrag zu einem weitgehend ungehinderten Warenverkehr – einem wichtigen Ziel des Europäischem Binnenmarktes – verstanden. Die DIN ISO 9000 ist ein Leitfaden zur Auswahl und Anwendung der DIN ISO 9001 bis 9004. Die DIN ISO 9001 bis 9003 haben drei verschiedene Konzepte zur Qualitätssicherung zum Inhalt. DIN ISO 9001 beinhaltet ein QS-System in den Bereichen Design/ Entwicklung, Produktion, Montage und Kundendienst. Dagegen ist die DIN ISO 9002 ein Qualitätssicherungssystem für Produktion und Montage und DIN ISO 9003 ein Qualitätssicherungssystem für die Endprüfung. Die DIN ISO 9004 gibt Empfehlungen zu den Elementen und zum Aufbau eines QS-Systems. Zertifizieren lassen kann man sich nach DIN ISO 9001, 9002 und 9003.
Zielsetzungen im Vergleich
Ziel der ISO 9000 ff ist: Vereinheitlichung und Sicherstellung eines Mindeststandards bei Qualitätssicherungssystemen – ein zertifiziertes Unternehmen signalisiert dem Kunden, daß eine Qualitätssicherung vorhanden ist. Für viele Kunden ist dies beruhigend, aber für die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens nicht ausreichend! Deshalb wurden in Ländern wie Japan (1951), USA (1987) und inzwischen auch in Deutschland (1997) nationale Qualitätspreise geschaffen, deren Ziel es ist, nicht nur die Qualität, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Unternehmens wesentlich zu verbessern. Zur fairen Gewinner-Ermittlung wurden Meßwerkzeuge wie das European Quality Assessment (EQA) geschaffen, mit deren Hilfe Status, Ergebnisse und Trends eines gesamten Unternehmens ermittelt werden.
Ziel der Qualitätspreise ist: Unternehmen und Organisationen anzuregen, ihre Wettbewerbsfähigkeit ständig zu verbessern, damit es leistungsfähige Unternehmen werden, die vorderen Plätze im Wettbewerb einnehmen und sich an der Weltspitze durchsetzen.
Unterschiede DIN ISO und Qualitätspreise
Wenn das Qualitätssicherungssystem nach den Vorgaben der DIN ISO 9000 ff. beschrieben worden ist, Management und Mitarbeiter ausgebildet wurden und hoffentlich auch bei den Zertifizierungsvorbereitungen aktiv mitgearbeitet haben, wird das Unternehmen zertifiziert und erhält als Ergebnis, falls alle Vorschriften erfüllt wurden, ein recht teures Zertifikat. Anfang der 90er haben die Zertifikate noch Wettbewerbsvorteile gebracht – wenn aber alle Unternehmen zertifiziert sind, stellt sich die Frage: „Was ist das Zertifikat noch wert?“ Andererseits kann sich derzeit kaum ein Unternehmen leisten, die Mindeststandards nicht zu erfüllen. Die Unternehmen müssen sich sogar gegen nicht gerade geringe Kosten Jahr für Jahr bescheinigen lassen, daß sie immer noch den gleichen Status halten wie 12 Monate vorher.
Einen Qualitätspreis, der letztendlich bescheinigt, daß das Unternehmen zur Weltspitze gehört, erhalten dagegen nur sehr wenige Unternehmen. Trotzdem gibt es viele Gewinner, nämlich alle, die Werkzeuge wie das EQA (Assessment) zur ständigen Verbesserung verwenden und als Ergebnis im Wettbewerbsvergleich mit ganz vorn liegen, auch wenn sie den Preis nicht gewinnen.
Wer die ISO-Elemente mit den EQA-Fragen vergleicht, stellt fest, daß die ISO-Elemente sehr industrie- und fertigungsorientiert sind. Beim EQA dagegen handelt es sich um Fragen, die das Gesamtunternehmen ein-schließen und so aufgebaut sind, daß die Kreativität bei der Gestaltung und der ständigen Verbesserung des Unternehmens nicht eingeschränkt wird.
DIN ISO 9000 ff. oder TQM ist keine Frage mehr
1988 stand der Autor bei der IBM Deutschland jedoch vor obiger Frage. Von der europäischen Hauptverwaltung in Paris wurden wir aufgefordert, die DIN ISO 9000 ff. zu implementieren und aus USA kam die Aufforderung, die Wettbewerbsfähigkeit mit Hilfe des MBNQA (Malcolm Baldrige National Quality Award oder Assessment) zu verbessern. Der Aufwand für beides erschien zunächst zu hoch, deshalb wurde ein theoretischer Vergleich zwischen ISO 9000 ff. und dem MBNQA gemacht, der die Antwort sehr deutlich zeigte. Mit der ISO 9000 ff. werden nur etwa 1/3 der notwendigen Aktivitäten zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit erfaßt.
Wegen der Behördenkunden, die ein Zertifikat verlangten, wurde die ISO in allen Bereichen – nicht nur in der Produktion – implementiert. Wobei das cross funktionale Prozeß-Management und die Prozeßdokumentation im Sinne von TQM und Business Process Management bestehen blieb. Parallel dazu wurden Assessments nach MBNQA durchgeführt und entsprechende Verbesserungsprojekte aufgesetzt. Der theoretische Vergleich wurde inzwischen durch viele Assessments nach MBNQA oder EQA bei nach ISO 9000 ff. zertifizierten Unternehmen praktisch untermauert – das Ergebnis lag jeweils bei 250 bis 350 von 1000 möglichen Punkten.
Das Geschäft mit der Zertifizierung
Das Verlangen nach Qualitätssicherung hat weltweit zugenommen und letztendlich zur ISO 9000 ff. geführt. Eine Zertifizierung gemäß DIN ISO 90000 ff. signalisiert also dem Kunden eine gewisse Qualitätssicherung, einen gewissen Qualitätsstandard des Lieferanten.
Der Kunde erreicht so eine bessere Vergleichbarkeit der Anbieter, das Zertifikat stellt damit zwischenzeitlich keinen Wettbewerbsvorteil für Lieferanten mehr dar, sondern ist eine notwendige Bedingung, um Zugang zu nationalen und internationalen Märkten zu bekommen. Es hebt Lieferanten gegenüber anderen zertifizierten Lieferanten in keiner Weise ab.
Derzeit kann ein Unternehmen es sich kaum leisten, kein Zertifikat zu haben – ein gutes Geschäft für all die vielen Zertifizierungsgesellschaften, die vielfach zunächst mit ISO 9000 ff.-Beratung und danach jahrelang mit der Zertifizierung und jährlichen Überwachungs-Audits sehr gute Geschäfte machen. Fragt man die Zertifizierer nach Rentabilität und Nutzeffekten, kommen diese zunehmend in Zugzwang, den Nutzen aufzuzeigen.
Deshalb stellen sich immer mehr Unternehmen zwischenzeitlich die Frage, ob diese ständige Bestätigung des einmal erreichten Zustandes wirklich eine sinnvolle Investition ist.
Die derzeitige Zertifizierungspraxis kann sich jedoch von selbst bald ändern, denn immer mehr Unternehmen – auch große wie BMW, Daimler-Benz, BASF, Siemens und viele andere – haben sich für TQM ent-schieden und damit heißt der Maßstab EQA (Assessment). Und dies wiederum bedeutet, daß z.B. ein TQM-Unternehmen, welches nach EQA 600 Punkte erreicht hat, sich auch Lieferanten suchen wird mit einer ähnlichen Punktzahl – diese Unternehmen könnten also künftig eher nach der erreichten Punktzahl als nach einem ISO 9000 ff.-Zertifikat fragen. Gewinner orientieren sich an 1000 EQA-Punkten und werden Weltspitze.
Wer weiterhin lediglich nur den ISO 9000 ff.-Status aufrecht erhält, bleibt bei 250 bis 350 Punkten stehen und wird künftig damit vermutlich zum unteren Mittelmaß gehören. Dafür haben sich laut einer Umfrage 65 % der zertifizierten Unternehmen entschieden. Da die Umfrage Ende 1994 gemacht wurde, ist zu hoffen, daß sich zwischenzeitlich die Meinungen geändert haben.
Die Welt orientiert sich, zum Teil bereits seit längerer Zeit, an 1000 Punkten. Erreicht hat die 1000 Punkte meines Wissens noch kein Unternehmen, aber auf dem Weg dahin sind viele.
Die Geschwindigkeit ist vom jeweiligen Management abhängig und deshalb unterschiedlich. Das eine Unternehmen mag 500 Punkte erreicht haben, ein anderes 650 usw. – aber alle, die sich TQM verschrieben haben, sind bereits wettbewerbsfähiger als die, die bei ISO 9000 ff. stehengeblieben sind.
Weitere Informationen A QE 304
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