Umweltschutz als Unternehmensziel

Vorreiter

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Konica in Lüneburg, Hersteller und Vertreiber von Büromaschinen, gehört zu den ersten Unternehmen der Elektronikbranche, die ihre gesamten verbrauchten Kopiermaterialien und Altgeräte schon heute zurücknehmen und wiederverwerten. Welche Rohstoffe und wieviel davon in jedem Modell enthalten sind, wurde genau analysiert und ist in einer Datenbank gespeichert. Die Rohstoff-Rückgewinnungsquote liegt derzeit bei bis zu 90%.

Birgit Otto, BSc MA, QM-Beraterin, Ostfildern

Umweltschutz ist bei Konica kein Marketing-Gag: dahinter steckt System. „Hier benötigen wir die Besten,“ erklärt Wolfgang Hungeling, Umwelt- und Qualitätsmanager bei KONICA in Lüneburg, beim Betreten der 1997 neu eingerichteten Abteilung für Recycling von Kopiersystemen. In der Produktionshalle vermitteln zweckmäßige Regalsysteme, übersichtlich gestapelte Mehrwegboxen für Einzelteile und farbmarkierte Lagerbereiche mit deutlichen Hinweisschildern den Eindruck wohldurchdachter Abläufe und höchster Flexibilität zugleich.
Das Pilotprojekt „Recyling“ mausert sich zum Umsatzträger und der Stolz, in einem wichtigen Thema wieder einmal die Nase vorn zu haben, funkelt allen Beteiligten aus den Augen.
Umweltleitlinien
Als der damalige Konzernchef, Takanori Yoneyama, 1990 Umweltschutz, Gesundheit und Sicherheit zu verbindlichen Unternehmenszielen erklärte, wurde das bis dahin produktspezifische Umweltengagement von Konica in das konzernweite Managementsystem integriert.
Kernpunkte der Umweltleitlinien von 1990:
l Umweltschutz ist Unternehmensziel
l Schutz der Rohstoffressourcen durch Reduktion und Recycling
l Freiwilliger Verzicht auf FCKW zum Schutz der Ozonschicht
l Verzicht auf gefährliche, flammhemmende Zusätze für Kunststoffe
l Eigene Entwicklung umweltgerechter Technologien
In Tokio wurde eine Stabsabteilung „Umwelt“ eingerichtet, deren Leiter unmittelbar dem Präsidenten der Konica Corporation unterstellt ist. Sie koordiniert die Umweltaktivitäten aller Tochtergesellschaften weltweit und hat weitreichende Befugnisse, um auf das Tagesgeschehen Einfluß zu nehmen. Außerdem wurden zu den drei großen Herstellungsbereichen „Büromaschinen“, „Fotografische Produkte“ und „Optische Produkte“ Umweltarbeitsgruppen sowie spezielle Forschungsteams gegründet, die sich fortlaufend mit Problemstellungen wie „Umwelt und chemische Sicherheit“, „Testmethoden und Prüfverfahren“ oder „Umweltverträglichkeit“, beschäftigen.
Für jede dieser Aufgaben sind den Teams klar definierte kurz-, mittel- und langfristigen Ziele gesetzt.
Diese Ziele umfassen Produkte und Dienstleistungen, Energie- und Rohstoffmanagement, die Entwicklung von Technologien und Know-How, die Eroberung neuer Märkte, die Einbeziehung von lokalen Organisationen und die Bereitstellung von Informationen.
Konkret bedeutet dies z. B. für die Entwicklung von Kopiergeräten die Energiereduzierung nach internationalem „Energy-Star“ Standard, sowie die Umsetzung heutiger und zukünftiger Anforderungen wie beispielsweise die des Blauen Engel.
Seit 1992 hat jedes Konica Tochterunternehmen einen verantwortlichen Ansprechpartner in Sachen Umwelt: Die Position des Beauftragten für Umweltschutz (BfU) wurde als hauptamtliche Stabsstelle in allen Konica Unternehmen eingerichtet. Der BfU ist mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Umweltschutzes unter Mitwirkung aller Mitarbeiter beauftragt.
Wolfgang Hungeling, der im europäischen Produktions- und Vertriebszentrum in Lüneburg diese Position bekleidet: „Unser Qualitäts- und Umweltmangement ist zu jeder Zeit eng mit der Muttergesellschaft in Tokio abgestimmt.“
ISO 9002 Qualitäts-management
Nicht immer leicht sei es gewesen, so Wolfgang Hungeling weiter, die konzern- eigene Entwicklung mit externen Anforderungen und Normen in Einklang zu bringen. „Es war eine Herausforderung die ISO mit den japanischen Managementpraktiken zu kombinieren. Wir wußten von unseren Aktivitäten in Großbritannien natürlich frühzeitig über die Bedeutung des britischen Qualitätsstandards BS 5750 Bescheid, was uns bei der Implementierung der Norm half.“
Bereits 1992 wurde die Produktionsstätte Lüneburg nach EN ISO 9002-Qualitätsmanagementsystem zertifiziert. „Heute sind die ISO-Audits einfach gute Werkzeuge in unserem Qualitäts- und Umweltsystem,“ weist Wolfgang Hungeling das so oft heiß diskutierte Thema mit einem Lächeln in die Schranken.
Blauer Engel
Zu hochgesteckten Zielen gehören auch sichtbare Zeichen: 1992 konnten die ersten Konica Kopierer das begehrte Umweltzeichen „Blauer Engel“ vorweisen. „Damit unterwerfen wir uns überprüfbaren Kriterien wie Tonerbeschaffenheit, Ozon- und Staubemission, oder Geräuschentwicklung“, so Hungeling.
Alle bei Konica verwendeten Kunststoffe werden seit dieser Zeit mit international vereinbarten Kurzzeichen gekennzeichnet, um die sortenreine Trennung der wieder verwendbaren Kunststoffe zu ermöglichen.
EU Öko-Audit und Umwelterklärung
1995 wurde Konica als einer der ersten Büromaschinenhersteller Europas gemäß EU-Öko-Audit-Verordnung validiert.
Wichtiger Bestandteil dieser Validierung war eine vom Gutachter zugelassene Umwelterklärung, die der Öffentlichkeit in Form einer Broschüre zur Verfügung gestellt wurde. Diese Umwelterklärung beschreibt das Umweltengagement des Konzerns und beinhaltet eine Öko-Bilanz des Konica Standorts Lüneburg.
Aufgrund der für die Ökobilanz notwendigen Energiedatenanalyse wurden z.B. folgende Maßnahmen eingeleitet:
l uhrengesteuerte Versorgungsanlagen
l Notlichtbeleuchtung
lVermeidung von Leerfahrten bei Transportmitteln
l Physiologisch richtige Wahl der Beleuchtungsstärke
l Arbeitsplatzbezogene Beleuchtung
l Verwendung von Entladungslampen bei längeren Beleuchtungsperioden
l Kontrolle des Lichteinsatzes durch personelle Anweisungen
Weitere Schwerpunkte bildeten das Kopiererrecycling und das Abfallmanagement, für das eigens die Funktion eines Betriebsbeauftragten für Abfall (BfA) etabliert wurde.
Aufgrund des EU-Öko-Audit wurde die Lieferantenbewertung in der Thema Umwelt integriert.
Die Lieferanten wurden aktiv in das Umweltmanagementsystem mit einbezogen und deren umwelt-, qualitäts- und sicherheitsrelevanten Tätigkeiten nach festgelegten Verfahren bewertet.
Dies erfolgt auf System-, Prozeß- und Produktebene.
ISO 14001 Umweltmanagementsystem
Im Juli 1996 wurde das Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 zertifiziert. So ist KONICA nicht nur in der Lage, der europäischen Umweltanforderungen nach EU-ÖKO Audit nachzukommen, sondern auch den Forderungen nach dem weltweiten Standard ISO 14001.
ISO 9001/14001 Integriertes Managementsystem
Alle äußeren Zeichen (ISO-9002, ÖKO-Audit, Gerätesicherheit GS, Funkschutzprüfung VDE, Dokumentenechtheit BAM oder CE-Kennzeichnung) münden immer wieder in das eine Ziel, das Managementsystem so zu entwickeln, daß Umweltorientierung entsteht und am Leben erhalten wird: Die Konsequenz: Integration der Managementsysteme Qualität, Umwelt und Sicherheit zu einem integrierten Managementsystem. Dieser Schritt wurde bei KONICA bereits 1997 vollzogen. Das Qualitätsmanagementsystem wurde nach ISO 9001 erweitert und gleichzeitig die kombinierten Umweltmanagementsysteme EU-ÖKO-Audit / ISO 14001 integriert. Damit hält der internationale Anbieter auf dem Büromaschinenmarkt gleich mehrere Trümpfe in der Hand. Zum einen nutzt er Synergieeffekte im Organisationsbereich, zum anderen sichert er sich so Wettbewerbsvorteile auf internationaler Ebene.
Erste Erfolge
Nach diesem „Generalangriff Umweltschutz“ blieb der Erfolg nicht aus. 1992 konnte der Materialverbrauch für die Transportverpackungen um 50% reduziert werden. Durch technologische Innovationen konnte in der Produktion der Energieverbrauch erheblich gesenkt werden, was wiederum die Produktionskosten verringerte. Alle verwendeten Betriebsstoffe werden auf ihre Umweltverträglichkeit hin getestet.
In den Produktions- und Lagerhallen in Lüneburg wird der unermüdliche Einsatz für den Umweltschutz sichtbar. Überall stehen deutlich gekennzeichnete Entsorgungsbehälter. Schadstoffe, die im Produktionsprozeß noch anfallen, werden mit großer Sorgfalt separiert, zwischengelagert und über zugelassene Entsorgungsfachbetriebe entsorgt.
Die Styroporverpackung für fertige Kopierer ist einem umweltfreundlicherem System aus recyceltem Papier gewichen.
Wolfgang Hungeling betrachtet die Umweltorientierung seines Unternehmens „als Teil eines ökologischen Lernprozesses.“ Nichts sei endgültig, Vorschläge und konstruktive Kritik zur Verbesserung des Systems jederzeit willkommen. „Wir sehen unsere Aufgabe darin,“ so steht es in der Umwelterklärung, „unsere Produkte sicher und umweltfreundlich herzustellen und dafür zu sorgen, daß sie sicher und umweltfreundlich zu handhaben, anzuwenden zu recyceln und zu entsorgen sind. Wir verfolgen diese Ziele im Rahmen unseres Total Quality Managements.“ Mit dieser subtilen Formulierung macht man mit fernöstlicher Höflichkeit darauf aufmerksam, daß nicht der Aufbau eines Systems sondern das dynamische Tun zum Ziel führt.
Weitere Informationen A QE 305
Konica Business Machines Europe GmbH (KBE) in Lüneburg ist eine Tochter des japanischen KONICA-Konzerns. Das 1873 in Tokio gegründete Unternehmen ist heute einer der führenden Hersteller hochwertiger fotografischer Investitions- und Konsumgüter. Die Produktpalette reicht von Fotomaterialien, Kameras, Kopierern über komplette Drucksysteme bis hin zu Röntgendiagnosegeräten. Das Unternehmen gewann 1956 den „Deming Prize for Industrial Efficiency“, die höchste Auszeichnung für TQM in Japan.
Der Standort Lüneburg wurde 1987 als Produktionsstätte für Kopierer gegründet. 1995 wurde die europaweite Vertriebsstätte angegliedert. Die Produktion besteht aus einer Baugruppenmontage und einer Hauptmontage. 1996 fertigten 217 Mitarbeiter im Rahmen eines flexiblen Fertigungssystems. 23185 Kopierer für den europäischen Markt. Der Gesamtumsatz in Europa betrug 1996 711 Mill DM.
Interview mit Wolfgang Hungeling: Umwelt- und Qualitätsmanager, Konica, Lüneburg
QE: Herr Hungeling, Sie haben Ihre Produktionsweise unter Umweltaspekten optimiert. Honorieren die Kunden dieses Engagement?
!Der einzig gültige Maßstab für den Erfolg unserer Arbeit ist die Kundenzufriedenheit. In der täglichen Zusammenarbeit mit unseren Kunden stellen wir fest, daß sich das Umweltbewußtsein gravierend verstärkt hat. Umweltverträglichkeit wird mehr und mehr hinterfragt. Der Kunde erwartet heute nicht nur ein technisch einwandfreies Produkt, sondern ebenso eine umweltgerechte Konstruktion, Produktion und Serviceleistung, also Umweltverträglichkeit von der Wiege bis zur Bahre. Noch ist es schwierig die von uns erbrachte Umweltqualität meßbar zu erfassen, in der Kommunikation mit Kunden und der Öffentlichkeit sehen wir uns aber bereits heute bestätigt, daß hervorragende Produktqualität und eine exzellente Umweltqualität nicht voneinander zu trennen sind.
QE: Wie reagieren die Lieferanten auf Ihre „grünen“ Anforderungen?
! Bereits 1995 haben wir europaweit unsere Lieferanten in unser Umweltmanagementsystem eingebunden. Unsere Lieferanten müssen selbstverständlich sämtlichen KONICA Umweltspezifikationen nachkommen, z. B. Einsatz wiederverwendbarer Transport – und Verpackungsmaterialien. Neben Qualität, Kosten und Flexibilität gehen Umweltaspekte zu 25 % in die KONICA Lieferantenbewertung ein. Die besten Lieferanten werden jährl. mit dem begehrten KONICA „European Supplier Award“ ausgezeichnet.
QE: Umweltbewußtsein will gelernt sein. Was investieren Sie pro Mitarbeiter für Training und Weiterbildung?
! Ein übergeordnetes Schulungssystem stellt sicher, daß systematisch und periodisch neben der erforderlichen Fachqualifikation alle qualitäts- umwelt- und sicherheitstechnischen Schulungsanforderungen ermittelt und Schulungen durchgeführt werden. Schwerpunkte unserer Ausbildungen sind interne „trainings on the job“. Wo es erforderlich ist, werden unsere Mitarbeiter durch externe Fachseminare und Tagungen weiterqualifiziert.
QE: Wie informieren Sie die Belegschaft über Ergebnisse bei den Themen Qualität und Umwelt?
! Wir haben verschiedene Informationskanäle. So werden z. B. Umweltziele und -programme von der Geschäftsführung auf Managementebene bekanntgegeben und durch Aushang an einer Umwelt-Informationstafel allen Mitarbeitern verkündet. Wöchentlich stattfindende Qualitäts/Umweltmeetings dienen dem Alltagsgeschäft in der Produktion. Eine eigens eingerichtete Stabstelle „Umwelt und Sicherheit“ hält die Kommunikation und Information mit allen europäischen Niederlassungen in Zusammenarbeit mit unserer Muttergesellschaft in Tokio aufrecht.
QE: Welchen Stellenwert hat das Engagement in Sachen Umweltschutz für die Wettbewerbsfähigkeit von Konica in der Zukunft?
! Wir sehen Umweltschutz als einen Aktivposten in unserem Leistungsangebot. Vollständige Zufriedenheit unserer Kunden und kontinuierliche Kostenreduzierung in allen Unternehmensbereichen sind wesentliche Bestandteile unserer Qualitätspolitik. Wir sind davon überzeugt, daß hervorragende Produktqualität in Verbindung mit einer exzellenten Umweltqualität Quantensprünge im Wettbewerb ermöglichen. Umweltschutz in unserem Unternehmen ist somit wichtiger Bestandteil unserer Ertrags- und Zukunftssicherung.
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