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Zulieferer unter Druck

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Die neuen Gewährleistungsvereinbarungen haben tiefgreifende Auswirkungen auf die Zulieferer. Unter anderem geht es um die Verlängerung der Frist, innerhalb derer ein Lieferant für sein Produkt haften soll. Die Reaktion der Zulieferer kann nur vielfältig sein und beinhaltet eine intensive Datenanalyse.

Seit Mitte des vergangenen Jahres waren bei verschiedenen OEMs Bestrebungen zu beobachten, das aus Zuliefersicht absolut ausreichende System zur Regressierung von 0-km und Feldschaden intensiv zu verändern.

Die Grundkonzeption jeder Art von Gewährleistungssystem in der Automobilindustrie ist im Kern zwar unangetastet geblieben. Nichtsdestotrotz scheinen verschiedene OEMs der Meinung zu sein, die Effektivität ihres Systems anheben zu wollen und zu können.

Ein Hebel ist die Verlängerung der Frist, innerhalb derer der Lieferant im Sinne einer Gewährleistung für sein Produkt haften soll. Standard sind mittlerweile 36 bis 48 Monate, häufig erst ab Zulassung des Gesamtprodukts. Die neuesten Forderungen sind 98 Monate.

Weitere Möglichkeit zur Erhöhung der Effektivität des Regresssystems ist die Verkürzung von Widerspruchsfristen gegen Kaufteileschreibungslisten in den OEM–Portalen, die Umstellung auf reine Pull-Funktion durch den Zulieferer und der Wegfall entsprechender Hinweise im Portal.

Daneben enthalten die neuen Überlegungen der OEM weitere zeitliche Erweiterungen, wenn es etwa darum geht, nach Ablauf von acht Jahren auftauchende Feldschäden 50/50 zu teilen.

Sicherlich innovativ ist der Vorschlag, dem Lieferanten ein Angebot zu einem damage waiver zu machen. Der Lieferant zahlt also etwa 2 % des Jahresumsatzes und hat damit nichts mehr mit Gewährleistung zu tun. Vorsatz ist im Zweifel ausgeschlossen.

Die Reaktion der Zulieferer hierauf kann nur vielfältig und konzertiert sein. Eine Ablehnung der Bedingungswerke generell oder ein Verhandeln der Verjährung von 98 auf 72 Monate ist ein Scheinerfolg. Wichtiger ist zum einen die ehrliche Analyse, ob die organisatorischen Voraussetzungen für die Bedienung der Portale und der Schadteilanalysen und Regressprozesse geschaffen sind. Nur dann kann überhaupt verhindert werden, dass automatisiert Geld abgezogen wird, ohne dass jemand beim Zulieferer überhaupt weiß, warum.

Daneben werden viele Zulieferer ein deutlicheres Interesse an den Analysen der ausgefallenen Produkte ausprägen müssen, um bereits konstruktiv Fehlervermeidung zu betreiben. Die genauere Kenntnis über das Ausfallverhalten solcher Daten ist auch eine statistisch wertvolle Quelle, um beispielsweise die durchschnittliche Lebensdauer prognostizieren zu können. Auf dieser Basis lassen sich dann entsprechend auch sinnvolle Verhandlungen über die Länge der Gewährleistung führen. Auch hier sind also Daten von erheblichem Wert. ■


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Der Autor:

Philipp Reusch



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