CEO von Hexagon Manufacturing Intelligence im Interview

„Wir wollen die Nummer eins sein“

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Qualität liege Hexagon Manufacturing Intelligence im Erbgut, sagt Vorstands-Chef Norbert Hanke. Im Interview spricht er über die zahlreichen Akquisitionen, die Stärken der deutschen Unternehmen in Sachen Industrie 4.0 und was das Problem beim Thema Cloud ist.
Hexagon Manufacturing Intelligence begreift sich selbst als IT-Company. Machen Sie künftig Unternehmen wie IBM oder HPE Konkurrenz?
Norbert Hanke: Nein, aus meiner Sicht nicht. Wir spezialisieren uns auf die Qualitätsdaten. In diesem Bereich wollen wir die Nummer eins sein. Daher haben wir auch den Slogan „Quality Drives Productivity“ entwickelt. Wir sind schon immer ein Qualitätsunternehmen gewesen. Das ist unsere DNA.
Auch HPE oder IBM analysieren unter anderem Qualitätsdaten.
Hanke: Das mag in dem einen oder anderen Projekt schon mal der Fall sein. Aber IBM, HPE oder Siemens machen ja noch viel mehr. Diese Firmen haben einen viel horizontaleren Ansatz. Und sie sind natürlich viel größer. Das ist eine ganz andere Liga, in der wir auch gar nicht mitspielen wollen. Es gibt viele kleine Anwenderunternehmen, deren Bedürfnisse von solch großen Anbietern gar nicht berücksichtigt werden. Aber auch dort gibt es natürlich ein Qualitätswesen. Und in das wollen wir hinein.
Immerhin gibt es eine Gemeinsamkeit zwischen den großen IT-Anbietern und Hexagon: Das hohe Maß an Akquisitionen.
Hanke: Das stimmt. Aber warum tätigt man Akquisitionen? Um Know-how zu gewinnen, das vorher nicht vorhanden war. Und diesbezüglich gibt es momentan einen großen Zeitdruck im Markt. Die Kunden sind in Sachen Vernetzung schon sehr weit. Nun geht es darum, die Rückführbarkeit von Informationen zu gestalten und immer mehr Prozesse zu automatisieren. Daher haben wir Firmen wie Q-DAS oder Vero gekauft. Wir bringen die Zahnräder zusammen, so dass dann quasi ein komplettes Getriebe entsteht.
Ist das Portfolio denn jetzt vollständig oder gibt es noch Lücken?
Hanke: Wir haben jetzt ein rundes Portfolio, das wir nun miteinander vernetzen müssen. Wir beobachten aber weiterhin den Markt sehr genau. Es gibt ja immer wieder neue Technologien in der Messtechnik. Zum Beispiel haben wir gerade vor kurzem Apodius übernommen. Es ist das erste Mal, dass Hexagon ein Start-up gekauft hat. Apodius beschäftigt sich mit Carbon Fiber – einem Trendthema. Wir machen uns auch Gedanken über Additive Manufacturing. Wir müssen uns überlegen, was in diesem Bereich unsere Rolle ist.
Welche Rolle spielt Q-DAS für Hexagon?
Hanke: Eine Schlüsselrolle. Ich sage immer gerne, dass Q-DAS für uns eine Perle war unter den Akquisitionen.
Warum?
Hanke: Weil Q-DAS sich mit Daten und Datenmanagement beschäftigt. Wir sind Experten im Messen, aber das hat uns gefehlt. Wir hätten die entsprechenden Technologien natürlich auch selbst entwickeln können. Aber das hätte viele Jahre gedauert. Also haben wir lieber den Marktführer gekauft. Oft geht es bei Übernahmen darum, den fehlenden Link herzustellen. So war zum Beispiel der Kauf von Vero wichtig, um die Brücke zwischen den Maschinen-Tools und den CAD/CAM-Modulen zu schlagen. Eine Weiterentwicklung nach dem Motto „Sensing, Thinking, Acting“ – das ist entscheidend.
Nach der Übernahme durch Hexagon haben sich viele gefragt, ob dies einen Einfluss auf die Offenheit von Q-DAS gegenüber anderen Anbietern hat.
Hanke: Aus meiner Sicht ändert sich nichts. Eine Sache, die uns bewogen hat, mit Q-DAS zusammenzugehen, war die standardisierte Schnittstelle und die Offenheit für alle. Und das ist klasse! Wenn wir Industrie 4.0 wirklich meinen und leben wollen, dann muss man auch mit offenen Schnittstellen und mit Standards arbeiten. Wo gibt es denn noch ein Werk, in dem nur die Produkte eines Anbieters zu finden sind? Nirgends. Also muss man sich überlegen, wie man die Daten aus den verschiedenen Systemen zusammenbringen und auswerten kann.
Es sieht so aus, als ob Q-DAS noch sehr selbständig agiert.
Hanke: Wir betrachten Q-DAS als selbstständig, auch wenn es ein Teil von Hexagon ist. Q-DAS hat seine eigene Roadmap. Daran werden wir auch nichts ändern. Wir haben sogar die Entwicklungsverantwortung von Q-DAS erweitert – auf Produkte, die im Bereich Connectivity angesiedelt sind.
Wie sieht es mit den anderen übernommenen Firmen aus?
Hanke: Auch Vero bleibt Vero. Aicon dagegen wird komplett integriert. Der Name wird allerdings zunächst noch auf den Produkten stehen – quasi als Co-Brand.
Sie haben Industrie 4.0 erwähnt. Ich habe den Eindruck, dass deutsche Unternehmen schon sehr weit sind. Zumindest werden sich auch auf internationalen Konferenzen häufig als Beispiel genannt. Wie sehen Sie das?
Hanke: Deutschland gehört zu den Vorreitern der Industrie 4.0. Es fällt ja auch ein bißchen auf, dass wir vornehmlich in Deutschland akquirieren. Das Know-how im Manufacturing-Bereich und die hier vorhandenen fortschrittlichen Technologien sind schon gigantisch. Auf der anderen Seite haben wir aufgrund des hohen Lohnniveaus einen großen Druck. Das heißt, um Vorreiter zu bleiben gilt es innovativ zu bleiben. Darüber hinaus sind aber auch andere Länder sehr aktiv. Beispielsweise gibt es in China die „Made in China 2015“-Initiative, mit dem Ziel Industrieführer zu werden. Erreicht werden soll dies durch die Verbindung von Informationstechnologie und der Industrie. Dies sollten wir nicht außer Acht lassen.
Womit die Deutschen noch ein bisschen Probleme haben, ist die Cloud. Wie geht Hexagon dieses Thema an? Gibt es Pläne für eigene Cloud-Angebote? Das wäre ja ein logischer Schritt für eine IT-Company.
Hanke: Wir sind dabei, unsere Produkte cloud-ready zu machen – um es mal sehr allgemein auszudrücken. Wir wollen dabei aber nicht der absolute Vorreiter sein. Wir beobachten ganz genau, ob es einen Bedarf am Markt gibt.
Und was ist Ihre Beobachtung?
Hanke: Die Cloud ist im Manufacturing-Bereich noch mit Problemen behaftet. Die Themen Datensicherheit und Vertrauen sind hierbei entscheidend. Das Vertrauen ist bei Fertigungsunternehmen zurzeit noch nicht gegeben – hierfür kann es die unterschiedlichsten Gründe geben.
Vielleicht ist es eine Generationenfrage.
Hanke: Das könnte eine Erklärung sein. Sicherlich ist die jüngere Generation ein Antreiber für Cloud-Applikationen. Diese sind ja insbesondere prozessbasiert. Oft können diese nicht einfach mit der vorhandenen IT-Infrastruktur beziehungsweise Sicherheit vieler Mittelständler in Einklang gebracht werden. Das begrenzte Know-how spielt hierbei sicherlich eine weitere Rolle. Die großen Unternehmen haben ja weniger Berührungsängste bei diesem Thema. Ein Unternehmen das tausende Mitarbeiter in der IT hat, kann locker ein paar 100 Personen abstellen, die sich über Cloud-Nutzung Gedanken machen. ■

Der Autor
Markus Strehlitz
Redaktion
Quality Engineering


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