Software-Trends

Vernetzt, intelligent und sicher

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Die digitale Transformation beschäftigt auch die Anbieter von Software für das Qualitätsmanagement. Ihre Lösungen müssen auf die neuen Anforderungen ausgerichtet sein. Dazu zählt unter anderem, dass sie für Übersicht in der Datenflut sorgen und die Zusammenarbeit unterstützen. Auch Machine Learning gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Die Digitalisierung hat die Unternehmen fest im Griff. Das hat auch Auswirkungen auf das Qualitätsmanagement und die Software, die dabei zum Einsatz kommt – zum Beispiel, weil zunehmend mehr Daten verarbeitet werden müssen.

„Wir sehen, dass die Unternehmen durch die Digitalisierung große Datenmengen generieren“, berichtet Siegfried Schmalz aus der Geschäftsleitung von iqs. „Da wird es zunehmend schwierig, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.“ Mit den Lösungen seines Unternehmens will er für Übersicht in der Datenflut sorgen.

„Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Firmen dabei zu unterstützen, für ihre Entscheidungsprozesse belastbare Informationen heranziehen zu können.“ Dafür bietet iqs laut Schmalz ein zentrales Instrument zum Filtern, Auswerten und Visualisieren von Daten. Die Applikation Analyse Center/Quality Intelligence werde ständig weiterentwickelt. Neben dem Einsatz geeigneter Software-Tools wird nach Einschätzung von Schmalz aber auch der Bedarf an Beratung deutlich zunehmen – hinsichtlich Erfassung, Strukturierung, Auswertung und Interpretation der Daten.

Digitalisierung bedeutet aber nicht nur rasant anwachsende Datenmengen. Es geht auch um eine intelligente Vernetzung von Maschinen, Menschen und Prozessen. „Auch das hat Auswirkungen auf das software-gestützte Qualitätsmanagement“, sagt Lutz Krämer, Bereichsleiter Produkte bei Babtec. „So ermöglicht die Zusammenführung von Planungs- und Produktionsdaten in Echtzeit eine neue Lenkungsqualität.“

Babtec integriert laut Krämer die relevanten Qualitätsaufgaben in einer Software-Lösung und ermöglicht die Verknüpfung an bestehende Software-Systeme wie zum Beispiel ERP oder CRM. Das fördere die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Anwenderunternehmen und deren Geschäftspartnern in der Lieferkette.

Die Vernetzung wird somit über die Unternehmensgrenzen hinaus getragen. Gerade im Qualitätsmanagement liegt laut Professor Norbert Böhme in der vernetzten Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten ein großes Rationalisierungspotenzial. Firmen könnten von einer vereinfachten Kommunikation, schnellerem Datenaustausch und der effizienteren Bearbeitung gemeinsamer Prozesse profitieren, so der Geschäftsführer von Böhme & Weihs.

Sein Unternehmen unterstützt dies mit dem hauseigenen CAQ-System. „Ausnahmslos alle Prozessbeteiligten, vom externen Mitarbeiter über Händler bis hin zu Kunden und Lieferanten, arbeiten per Browser-Zugriff ausschließlich und direkt im CAQ-System selbst“, erklärt Böhme. Es seien keinerlei ergänzende Softwarebausteine oder an Dritte ausgelagerte Kommunikationsplattformen notwendig.

Verknüpfung über verschiedene
Firmenstandorte hinweg

Software-Anbieter Consense verfolgt ebenfalls ein übergreifendes Konzept. Dabei geht es aber vor allem um die Verknüpfung der verschiedenen Standorte eines Unternehmens. „Viele unserer standortübergreifenden oder weltweit agierenden Kunden wollen ihre Managementsysteme auf internationaler Ebene betreiben“, sagt Alexander Künzer aus der Geschäftsführung von Consense.

Dabei gehe es um deutlich mehr als einfach nur die Verwendung verschiedener Oberflächensprachen. Die Lösungen von Consense unterstützen daher laut Künzer neben komplexen Organisationshierarchien auch unterschiedliche nationale und internationalen Normen und Gesetzesvorgaben, mehrsprachige Inhalte sowie weitere Anforderungen, die eine Internationalisierung mit sich bringt.

Eine Möglichkeit, Daten und Software-Funktionen den Nutzern an verschiedenen Standorten oder in unterschiedlichen Firmen bereit zu stellen, ist die Cloud. Das Thema ist mittlerweile auch im Qualitätsmanagement angekommen.

„Wir nehmen wahr, dass die bisher von den Unternehmen gezeigte Zurückhaltung in Bezug auf die Nutzung von cloud-basierten Lösungen für Qualitätsmanagementsysteme sich gerade wandelt“, so Künzer. „Als Kompromiss wird dann oft auch die Company Cloud gesehen.“

Eine firmeninterne Cloud dient vor allem zur Erfüllung der Sicherheitsanforderungen. Denn dieses Thema sorgt nach wie vor für die größten Bedenken, wenn Firmen sich mit Cloud-Lösungen beschäftigen.

Für Böhme & Weihs steht Security daher zur Zeit ganz oben auf der Agenda. „Mit steigender Vernetzung steigt auch das Risiko möglicher Angriffspunkte für einen unberechtigten Zugriff von außen, um sensible Qualitätsmanagementdaten zu stehlen, zu manipulieren oder ganze Geschäftsprozesse zu beeinflussen“, sagt Böhme. „Cyber-Sicherheit beziehungsweise Informationssicherheit wird eine Grundvoraussetzung in der unternehmerischen Digitalisierungsstrategie – und damit auch eine Grundvoraussetzung an CAQ-Systeme.“

Grundlage für die sichere Vernetzung im eigenen CAQ-System sei eine mehrstufige Sicherheitsarchitektur, wie Böhme berichtet. Diese eröffne alle Möglichkeiten der digitalen Zusammenarbeit, basierend auf der Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Integrität der Daten. „Die Kontrolle über die Daten und die Tiefe der Vernetzung liegt immer nur beim Inhaber des CAQ-Systems.“

Im Zusammenhang mit der Digitalisierung spielt auch die Künstliche Intelligenz (KI) eine wichtige Rolle. KI-Methoden wie Machine Learning gehören zu den Treibern der digitalen Transformation. Sie halten jetzt auch Einzug in das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung.

„Wir sind überzeugt, dass durch Machine Learning eine vorausschauende Qualitätssicherung möglich sein wird“, meint Schmalz von iqs. „Aus den Maschinenparametern werden wir lernen, die Produktmerkmale vorauszusagen.“ Im Rahmen eines Forschungsprojekts entwickelt sein Unternehmen gemeinsam mit GBO Datacomp, Festo, dem Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen und dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie ein so genanntes Quality Data Module. Dieses soll in Zukunft sowohl die Aufbereitung und Bereitstellung als auch die Auswertung der risikomanagement-relevanten Informationen der Produktion übernehmen.

Nicht unerheblicher Aufwand beim Aufbau
von selbstlernenden Systemen

Krämer von Babtec sieht ebenfalls das Potenzial von KI. Die Technologie müsse jedoch beherrschbar und die Entscheidungen der Maschinen nachvollziehbar bleiben. „Qualitätsmanager mit technischem Verständnis und vor allem auch menschlichem Koordinations- und Entscheidungsvermögen finden hier ein spannendes Tätigkeitsfeld“, so der Experte.

Babtec beschäftigt sich derzeit in zwei Projekten mit Machine Learning beziehungsweise KI. „Die bisherigen Erfahrungen zeigen einen nicht unerheblichen Aufwand zum Aufbau selbstlernender Systeme – so genannter Automaten“, berichtet Krämer. Es werde auch deutlich, dass sich manche Erwartung der Stakeholder fern der aktuellen Realität bewegen.

Ein aktuelles Projekt beschäftigt sich mit dem Nachweis, dass Entscheidungen in einem Serviceprozess von einem Automaten besser und schneller getroffen werden können. „Dieser Nachweis wurde erbracht, jedoch entsprach der dafür notwendige Aufwand nicht den Erwartungen“, sagt Krämer.

Vielversprechend erscheinen seiner Meinung nach Ansätze, bei denen klassische Algorithmik in Form von Standardsoftware mit KI kombiniert wird. Hierauf ziele auch der Best-of-Breed-Ansatz ab, bei dem die jeweils besten Fachapplikationen über KI-Komponenten miteinander vernetzt werden – zum Beispiel für das Handling von Stammdaten.

Für Consense sei Machine Learning seit Langem ein Forschungsthema, wie Künzer berichtet. In der Praxis wende der Software-Hersteller dies auch bereits an. „Die Unternehmen, die Consense-Software nutzen, stellen beispielsweise große Mengen an Texten, Dokumenten und Abläufe in das System ein“, so Künzer. „Hier helfen KI-Techniken dabei, Inhalte zu analysieren, um sie dann zielgenau und bedarfsgerecht den Anwendern zur Verfügung zu stellen sowie zusätzlich Transparenz zu schaffen. Aus unserer Sicht soll sich das System an die Menschen, die es nutzen, anpassen, und nicht umgekehrt.“ ■


Der Autor

Markus Strehlitz

Redaktion

Quality Engineering


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