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Deutschland denkt Qualitätssicherung digital

Kooperationsprojekt QI-Digital gestartet
Deutschland denkt Qualitätssicherung digital

Die deutsche Qualitätsinfrastruktur soll digital werden, also Standardisierung, Normen- und Messwesen, Prüfdienstleistungen, Akkreditierung sowie die Zertifizierung des Qualitätsmanagements. Die beteiligten Akteure haben kürzlich für das Projekt QI-Digital den Startschuss gegeben.

» Sabine Koll

„Wir sehen die Qualitätsinfrastruktur als ganz wesentlichen Baustein des Qualitäts-Ökosystems und damit letztlich auch für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen im Land sowie für die Menschen im Hinblick auf Verbraucherschutz und Sicherheit“, sagte Ole Janssen, Leiter der Unterabteilung „Innovations- und Technologiepolitik“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) zu Beginn der virtuellen Podiumsdiskussion, mit der QI-Digital während der Hannover Messe im April 2021 gestartet wurde. „Messwesen, Normen und Standardisierung, Konformitätsbewertung sowie Akkreditierung müssen im digitalen Zeitalter auf der Höhe der Zeit sein. Dafür brauchen wir die Digitalisierung innerhalb der einzelnen Organisationen der Qualitätsinfrastruktur, aber wir brauchen durch die hohe Komplexität auch die Teamleistung der Akteure“, so Janssen weiter. Das BMWI hat für QI-Digital die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), die Deutsche Akkreditierungsstelle (Dakks), das Deutsche Institut für Normung (DIN), die Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) an einen Tisch gebracht:

Doch was genau steckt hinter QI-Digital? Dakks-Geschäftsführer Dr. Stephan Finke verwies auf die Digitalisierung von Akkreditierungen und Kalibierscheinen: „Der digitale Kalibrierschein dient künftig nicht nur dem Nachweis der meteorologischen Rückführung, sondern er bietet durch die Maschinenlesbarkeit deutlich mehr Möglichkeiten. Dieses Projekt ist schon sehr weit fortgeschritten.“

„Digitale maschinenlesbare Zertifikate und Cloud-Lösungen wie die Metrology Cloud sind nur der Anfang“, machte Professor Frank Härtig, Vizepräsident der PTB, klar. „Wir müssen auch die komplexen Prozessabläufe hinter der funktionierenden Qualitätsinfrastruktur schneller, effizienter und agiler machen. Digitalisierung ist daher nur die notwendige Voraussetzung.“ Auch die Produkte und Dienstleistungen entwickeln sich laut Härtig im Zuge der Digitalisierung rasant weiter. „Das stellt auch die Messtechnik vor neue Herausforderungen. So erhalten nicht nur einzelne Messgeräte Anbindung ans Internet, sondern es greifen auch ganze Systeme ineinander – wie etwa bei Smart Production. Diese basieren auf hunderten oder gar tausenden vernetzter Messgeräte.“

Daneben befasst sich die PTB mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) – im Rahmen von QI-Digital zunächst bei Medizinprodukten. Dabei geht es um die Vertrauenswürdigkeit und Verlässlichkeit der KI-Verfahren. „Nur so kann aus KI Made in Germany ein international anerkanntes Qualitätssiegel werden, das auf unseren europäischen Rechtsstandards beruht – und damit diese Produkte weltweit konkurrenzfähig macht“, so Härtig.

„Die deutsche Industrie ist sehr innovativ, auch was die Entwicklung digitaler Verfahren und Produkte betrifft. Damit diese am Markt angenommen werden, braucht es Vertrauen in deren Sicherheit – denn erst Sicherheit macht Märkte. Dafür benötigen wir eine moderne und effiziente Qualitätssicherung – und das ist die Vision von QI-Digital“, bestätigte auch BAM-Präsident Professor Ulrich Panne. „Es ist unser Ziel, praxisnahe Lösungen für die Bedarfe der Wirtschaft zu entwickeln.“ Er nannte das Beispiel der Qualitätssicherung in der additiven Fertigung. Hier baut die BAM gemeinsam mit den Partnern im Rahmen von QI-Digital ein offenes Kompetenzzentrum für kleine und mittlere Unternehmen auf, bei dem die gesamte Messkette abgebildet wird. Denn gerade diese Zielgruppe benötige praktikable und kostengünstige Lösungen. Panne: „Diese Beispiel zeigt den gesamtheitlichen Ansatz des QI-Digital-Konsortiums über die technische Entwicklung über die Entwicklung smarter Standards bis hin zur Zertifizierung.“

Auch Christoph Winterhalter, Vorsitzender des DIN-Vorstands betonte, QI-Digital gemeinsam mit der Industrie voranbringen zu wollen. Daher werde es neue, angepasste Normen für Meteorologie, Akkreditierung und Konformitätsbewertung geben. „Wir müssen es schaffen, die Digitalisierung und die Entwicklung der Qualitätssicherung organisations- und ressortübergreifend zu gestalten – auf internationaler Ebene“, sagte Winterhalter. „QI-Digital kann zum Game-Changer von vielen weiteren Themen werden –- etwa der Umsetzbarkeit des Lieferkettengesetzes oder der Circular Economy. Denn wir wissen, wie man im Digitalen Qualität sicherstellt. Insofern ist QI-Digital eine Einladung an alle Stakeholder in Deutschland und in Europa, uns zum Vorreiter im Handling der digitalen Transformation zu machen. Es geht darum, auch in der digitalen Welt Qualität zu sichern und damit Vertrauen in neue Technologien zu schaffen.“

„Wenn Anwendungen und Produkte sowie Produktprüfungen voll digital ablaufen, muss natürlich auch die Norm folgen und komplett digital vorliegen“, ergänzte DKE-Geschäftsführer Michael Teigeler. Man arbeite seit einiger Zeit an der Digitalisierung der Normung und habe gemeinsam mit dem DIN die Initiative digitaler Standard (Ides) gegründet. Die Idee dahinter: Weg vom bedrucktem Papier hin zu digitalen Inhalten, die in Datenbanken liegen. Teigeler: „Man könnte fast sagen: Die Anwendung von Normen ist dann erst erfolgreich, wenn man das fertige Produkt in den Händen hält und die Norm darin eingeflossen ist, ohne dass man es gemerkt hat.“

Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
Unter den Eichen 87
12205 Berlin
www.bam.de

Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS)
Spittelmarkt 10
10117 Berlin
www.dakks.de

Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)
Bundesallee 100
38116 Braunschweig
www.ptb.de


Webhinweis

Wie das digitale Kalibrierzertifikat und der digitale Workflow für metrologische Dienstleistungen funktionieren, zeigt die PTB in diesen beiden Videos:

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