Corporate Vice President von Nikon Metrology im Interview „Die Rolle der Messtechnik wird sich ändern“ - Quality Engineering

Corporate Vice President von Nikon Metrology im Interview

„Die Rolle der Messtechnik wird sich ändern“

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Nach Meinung von Tadashi Nakayama ist die additive Fertigung das wichtigste Thema für die Zukunft Bild: Nikon Metrology
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Tadashi Nakayama leitet die Geschäftseinheit Industrielle Messtechnik bei Nikon. Im Interview spricht er über den Closed Loop in der Fertigung, mögliche Partnerschaften in Sachen Künstlicher Intelligenz und erklärt, was Messtechnik mit japanischem Bier zu tun hat.

Herr Nakayama, vor Ihrer jetzigen Position waren Sie für das Imaging-Geschäft von Nikon in Deutschland verantwortlich. Was zeichnet den deutschen Markt besonders aus?

Tadashi Nakayama: Die Standards in Deutschland sind sehr hoch. Firmen legen viel Wert auf Genauigkeit und suchen immer nach der besten Qualität. Deutschland ist ein Technikland. Hier Messtechnik zu verkaufen, ist eine Herausforderung. Das ist so ähnlich, wie wenn man japanisches Bier in Deutschland verkaufen möchte.

Welche Trends sehen Sie zur Zeit in der Qualitätssicherung?

Nakayama: Ein großes Thema, das wir gerade vorantreiben, ist Qualität 4.0. Dieser Begriff steht für einen geschlossenen Regelkreis zwischen Messung und Prozess. Dabei geht es darum zu messen, die Daten zu analysieren und die Ergebnisse in die Fertigungsprozesse zurückzuspielen. Damit wird sich auch die Rolle der Messtechnik ändern. Sie wird wichtiger werden. Und die Mitarbeiter, die für das Messen und die Qualitätskontrolle verantwortlich sind, nehmen eine zunehmend zentrale Rolle im Unternehmen ein.

Inwiefern treibt Nikon dieses Thema voran?

Nakayama: Um diesen Regelkreis – also den Closed Loop – herzustellen, sind für die Messtechnik drei Eigenschaften entscheidend. Sie muss digital, automatisiert und vernetzt sein. Prozesse brauchen Daten in digitaler Form. Um diese zu liefern, muss der gesamte Prozess automatisiert sein. Detaillierte und vom Anwender unabhängige Daten sind nötig. Dafür bieten wir die grundlegenden Technologien: optische Technik, Laser- und Roentgen-Geräte sowie die entsprechende Software. Aus diesen Elementen bilden wir ein Framework für Qualität 4.0.

Künstliche Intelligenz erobert langsam auch die Qualitätssicherung. IBM bietet bereits eine QS-Lösung, die auf dem KI-System Watson basiert. Welche Rolle spielt das Thema im Nikon-Portfolio?

Nakayama: Wir beschäftigen uns bereits mit künstlicher Intelligenz, entwickeln aber keine Technologien selbst. Stattdessen haben wir begonnen, mit entsprechenden Anbietern zusammenzuarbeiten. Es kann gut sein, dass wir irgendwann auch mit IBM kooperieren werden. Durch den verstärkten Einsatz optischer Technologien wird der Bedarf an künstlicher Intelligenz noch wachsen. Wenn ein Bauteil mit einem taktilen Gerät gemessen wird, erhält man vielleicht 1.000 Punkte. Mit einem Laser wie dem von Nikon zum Beispiel erhält man wesentlich mehr Daten. Um diese zu analysieren, mit anderen zu verknüpfen und Korrelationen zu entdecken, braucht man Methoden wie künstliche Intelligenz und Machine Learning.

Ein weiterer aufkommender Trend ist die additive Fertigung.

Nakayama: Die additive Fertigung ist das wichtigste Thema für die Zukunft. Eine besondere Rolle für die Qualitätskontrolle spielt dabei die Computertomografie. Denn mit dieser kann man ins Innere des Bauteils schauen. Somit ist CT die einzige Möglichkeit um festzustellen, ob ein additiv gefertigtes Bauteil auch wirklich so produziert worden ist, wie es designt wurde. Die Nutzung der CT wird daher durch die additive Fertigung weiter wachsen.

Ist Nikon bei diesem Thema schon aktiv?

Nakayama: Wir arbeiten bereits mit vielen Firmen zusammen. Dazu zählt zum Beispiel das japanische Unternehmen Jeol, das vor kurzem eine Maschine für Metall-3D-Druck angekündigt hat. Jeol nutzt unsere CT-Geräte bereits sehr stark. Die Verantwortlichen sagen, dass eine Qualitätskontrolle in der additiven Fertigung ohne CT-Scanning nicht möglich ist. Wir arbeiten auch eng zusammen mit Carbon, einem US-amerikanischen Anbieter von innovativen Lösungen für die additive Fertigung auf Polymer-Basis. Dieses Unternehmen hat eine strategische Partnerschaft mit Adidas, die vor kurzem damit begonnen haben, die Massenproduktion von Schuhsohlen mithilfe von 3D-Druck umzusetzen.

Koordinatenmessgeräte spielen im Nikon-Portfolio aber künftig keine Rolle mehr. Das Geschäft wurde verkauft und wird nun als LK Metrology geführt. Was waren die Gründe dafür?

Nakayama: Koordinatenmesstechnik ist wichtig. Aber wir haben uns entschieden, uns auf kontaktlose und zerstörungsfreie Technologien wie Laser Scanning, Laser Radar und Computertomographie zu konzentrieren. Denn die Nachfrage nach diesen Technologien wächst stetig an. Dies wird es beiden Unternehmen erlauben, sich auf die Wachstumsstrategie ihres jeweiligen Geschäfts zu fokussieren.

Welche Auswirkungen hat der Verkauf für die Anwender von Nikons Koordinatenmesstechnik?

Nakayama: Wir bemühen uns, die Auswirkungen so klein wie möglich zu halten. Es gibt eine strategische Marketing-Partnerschaft mit LK Metrology, bei der beide Firmen jeweils die Produkte des anderen promoten. Wer Koordinatenmesstechnik kaufen möchte, kann dies auch weiterhin über Nikon Metrology tun. Umgekehrt können wir auch unsere Laser-Scanner über LK verkaufen. Denn häufig werden beide Technologien kombiniert eingesetzt. Ich habe noch von keiner Beschwerde gehört, die sich durch die Akquisition ergeben hätte. Die Übernahme ist ein Vorteil für die Kunden, da LK einen klaren Fokus auf Koordinatenmesstechnik hat.

In der Branche findet ohnehin gerade eine Konsolidierung statt. Große Anbieter wie Zeiss oder Hexagon verstärken sich vor allem durch die Übernahme von Software-Herstellern. Gibt es bei Nikon Metrology ähnliche Pläne?

Nakayama: Es kann gut sein, dass es auch für uns nötig sein wird, Software hinzuzukaufen. Aber im Moment ist dies noch nicht der Fall. Aus technologischer Sicht werden wir uns auf optische 3D-Messtechnik und Roentgen- sowie CT-Lösungen fokussieren. Diese liefern die detaillierten Informationen, um eine intelligente Prozesskontrolle für Qualität 4.0 zu ermöglichen. Außerdem werden wir unsere Beziehungen zu den Endnutzern verstärken. Wir werden zum Lösungsanbieter werden mit langfristigen Geschäftsbeziehungen mit unseren globalen Kunden, der diese vor, während und nach der Installation eines neuen Prozesses berät und unterstützt.

Gehen Sie davon aus, dass sich diese Konsolidierung fortsetzen wird?

Nakayama: Die Entwicklung wird weitergehen. Aber es wird nicht so sein, dass ein paar wenige Unternehmen den Markt unter sich aufteilen werden. Gerade in Deutschland gibt es viele kleinere spezialisierte Firmen, die weniger bekannt sind – wie etwa die Messe Control gezeigt hat. ■


Der Autor

Markus Strehlitz

Redaktion

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