Die Zukunft digitalisierter Präzisionsmesstechnik

Ohne den Umweg Mensch

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In einer vollständig vernetzten und automatisierten Produktionsumgebung ist Intelligenz in der eingesetzten Technik gefragt. Der aktuelle Trend geht daher zu bidirektional kommunizierenden Handmessmitteln. Diese können Fertigungsmessungen überprüfen, die ermittelten Daten dem Gesamtprozess bereit stellen und Informationen aus der Prozessmittelüberwachung erhalten.

Die Produktion im Zeitalter von Industrie 4.0 ist vollautomatisiert, digital vernetzt und auftragsbezogen. Kleine Lose, schnelle Produktwechsel und eine hohe Varianz in den Produkten bestimmen den Fertigungsalltag.

Die permanente Zustandsüberwachung aller physikalischen Größen eines Prozesses sichert dabei fehlerfreie Abläufe und eine hohe Qualität der Produkte. Voraussetzung ist die Kommunikation zwischen allen am Prozess beteiligten und untereinander vernetzten Playern – also Maschinen(teilen), Steuerungen, Menschen und nicht zuletzt auch den Messmitteln.

Moderne Handmessmittel für die fertigungsnahe Überprüfung der Prozess- beziehungsweise Produktqualität werden heute unter drei Prämissen entwickelt: Sie müssen auch von Werkern mit geringen Qualifikationen fehlerfrei bedient werden können, eine hohe Fehlersicherheit ausweisen und bei der Überprüfung von Fertigungsmessungen die Daten aktiv einer entsprechende Software zur Dokumentation und Weiterverarbeitung bereitstellen.

Die dabei eingesetzte Firmware der digitalen Messmittel muss folgerichtig immer intelligenter werden. Gleichzeitig werden Prüfmittel üblicherweise mit einer so genannten Prüfmittelüberwachungssoftware überwacht, mit deren Hilfe sie für jedes Messmittel sämtliche Kalibrierwerte sowie Vorgaben über die Kalibrierintervalle festhalten.

Die Prüfmittelüberwachungssoftware kontrolliert dabei unter anderem den Kalibrierzyklus und hinterlegt alle alten Prüfwerte. Auf diese Weise stellt sie auch fest, ob ein Gerät – beispielsweise eine Messschraube oder ein Messschieber – an Genauigkeit verliert oder gar ganz aus der Toleranz fällt. In der Regel weist die Software dann über eine Push-Nachricht auf dem Bildschirm rechtzeitig auf eine anstehende Kalibrierung hin. Dies dient als Aufforderung, die angeforderten Messmittel im Betrieb einzusammeln und sie zu kalibrieren.

Messmittel müssen intelligenter werden

In einer vollständig vernetzten und automatisierten Produktionsumgebung müssen die Messmittel allerdings intelligenter werden. Ausgestattet mit geeigneter Elektronik, Software und Schnittstellen wäre dann neben dem direkten Weiterleiten der Messdaten zur Weiterverarbeitung eine aktive Kommunikation mit der Prüfmittelüberwachungssoftware auch ohne den Umweg Mensch möglich.

Der aktuelle Trend der Branche ist daher folgerichtig die Entwicklung bidirektional kommunizierender Handmessmittel, die sowohl Fertigungsmessungen überprüfen und die ermittelten Daten dem Gesamtprozess bereitstellen als auch Informationen über Kalibrierzyklen, geänderte Grenzwerte und angepasste Toleranzen aus der Prozessmittelüberwachung erhalten.

Erst mit der Möglichkeit zur bidirektionalen Kommunikation könnten die Messmittel dem Werker eigenständig signalisieren, ob sie einwandfrei funktionieren, ob in nächster Zeit eine Kalibrierung ansteht oder ob sie nicht mehr benutzt werden dürfen. Ändern sich beispielsweise die Toleranzen einer geschliffenen Welle, werden diese automatisch in das Handmessmittel geschrieben.

Der Werker bekommt davon nichts mit und er muss auch die Werte nicht zwangsläufig kennen. Er nimmt wie immer sein intelligentes Handmessmittel zur Hand, prüft das Werkstück und erfährt zum Beispiel über eine LED-Ampelanzeige, ob das Produkt einwandfrei ist (grün), noch einmal überarbeitet werden muss (gelb) oder Ausschuss ist (rot). Das Messmittel nimmt die Werte auf und dokumentiert die Charge eigenständig.

„In diesem Zusammenhang diskutieren wir beispielsweise auch, wie ein Handmessmittel sich selbst kontrollieren und analysieren kann, damit es merkt, ob es am richtigen Arbeitsplatz eingesetzt wird und ob es plausible Werte liefert oder nicht“, sagt Nils Blondin, Geschäftsführer Feinmess Suhl (EMO: Halle 6, Stand F49).

Definierte Hard- und Software-Schnittstellen

Für die Realisierung der bidirektionalen Kommunikation zwischen Messmittel, Fertigungssoftware und Prüfmittelüberwachungssoftware gibt es allerdings zwei entscheidende Voraussetzungen. Relativ einfach zu bewerkstelligen ist die Ausstattung der Messmittel mit einer entsprechenden Elektronik und Software. Die Selbstüberwachung könnte über eine Datumsüberwachung beziehungsweise einen Zähler geschehen. Eine Kalenderfunktion informiert den Anwender nach einer vorgegebenen Zeitspanne über die bevorstehende Kalibrierung. Ein Zähler meldet sich, wenn eine zuvor festgelegte Anzahl an Einsätzen erreicht wird.

Es ist auch denkbar, dass sich das Gerät selbsttätig sperrt, sollte es nicht ordnungs- oder turnusgemäß kalibriert worden sein. Der Werker muss in einem solchen Fall das Messmittel in die Kalibrierung geben und dort gegen ein kalibriertes Gerät austauschen.

Noch wesentlicher ist allerdings die Einigung der gesamten Branche auf standardisierte Schnittstellen für Messmittel inklusive eines einheitlichen Protokolls für die Kommunikation und den Datenaustausch. „Daran arbeiten wir derzeit“, so Blondin. ■


Der Autor

Reiner Kindermann

Leiter Marketing

und Vertrieb

Feinmess Suhl

www.feinmess-suhl.com

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