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Systemgrenzen verschwinden

Software-Trends
Systemgrenzen verschwinden

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Informationsflut, Industrie 4.0 und die neue ISO 9001 – so lauten einige der aktuellen Herausforderungen. Um diese zu bewältigen, brauchen Unternehmen Software-Lösungen, die sich einfach nutzen lassen, für durchgängige Prozesse sorgen und sich mit den übrigen Systemen verknüpfen lassen.

Die Qualitätssicherung ist ein Querschnittsthema. Entsprechende Informationen und Kennzahlen werden verstärkt über alle Abteilungen hinweg für unternehmensweite Prozesse genutzt. Das hat auch Auswirkungen auf die IT-Lösung, die für das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung zum Einsatz kommt. „So wie das Arbeiten eines Qualitätsmanagers hochintegrativ ist, ist auch eine CAQ-Software kein isoliertes System“, sagt zum Beispiel Lutz Krämer, Bereichsleiter Produkte bei Babtec (Halle 5, Stand 5230).

Ein solches System brauche daher einen ganzheitlichen Ansatz, glaubt Stefan Maurath, der bei iqs (Halle 3, Stand 3416) den CAQ-Vertrieb leitet. Unternehmen suchten daher nach Lösungen, „welche die einzelnen Prozesse konsequent und durchgängig verbinden“. Laut Maurath sind Lösungen gefordert, mit denen zum Beispiel die FMEA und der Produktionslenkungsplan gemeinsam bearbeitet werden können. „Beide Dokumente haben logische Zusammenhänge die ein modernes Softwaresystem abbilden können muss“, erläutert Maurath.
Damit kann Software für das Qualitätsmanagement sowie die Qualitätssicherung Firmen helfen, die derzeit drängendsten Herausforderungen zu bewältigen. Dazu zählen kürzere Entwicklungszeiten, eine zunehmende Komplexität der Produkte und eine globalisierte Wertschöpfungskette. Firmen brauchen daher nach Aussagen von Maurath transparente Prozesse und eine funktionierende schlanke Kommunikation. „Nur durch eine gezielte Datenerhebung, Bündelung und Verteilung der Informationen können Entscheidungen getroffen und begründet werden“, so der iqs-Mann.
Aus Daten werden Informationen
Maurath spricht damit eine weitere Herausforderung an, denen Firmen zur Zeit gegenüber stehen: die zunehmende Informationsflut. In dieser den Überblick zu behalten, ist eine riesige Aufgabe. Laut Professor Norbert Böhme braucht es daher Lösungen, welche die nahezu unüberschaubare Menge an Daten zu relevanten Informationen verdichten.
Böhme ist Geschäftsführer von Böhme & Weihs (Halle 1, Stand 1212) und seiner Meinung nach hat der Software-Anbieter Technologien im Programm, um die Datenflut in beherrschbare Bahnen zu lenken. Böhme & Weihs habe intelligente Analysen und Kennzahlensysteme entwickelt, die relevante Daten kontextbezogen aufbereiten. „Und das nicht nur für Informationen aus dem Qualitätsmanagement, sondern aus allen Bereichen der Produktion, des Unternehmens und beteiligten Softwaresystemen“, fügt Böhme hinzu.
Verbindung zum Wissensmanagement
Die stetig wachsende Menge an Daten gibt auch dem Thema Wissensmanagement wieder eine große Bedeutung. Das in entsprechenden Datenbanken gesammelte Know-how liefert auch wichtige Informationen für die Qualitätsarbeit. Iris Bruns, Geschäftsführerin von Consense (Halle 1, Stand 1315), sieht daher die Verknüpfung von Wissensmanagement sowie Wikis mit dem Qualitätsmanagement als ein aktuell sehr wichtigen Trend.
Auch Florian Schwarz, Vorstand der CAQ AG (Halle 5, Stand 5512), hält die Einbindung von Wissensmanagement-Systemen für wichtig. „Es werden immer mehr Mitarbeiter der Unternehmen aktiv in das Managementsystem eingebunden und müssen somit Wissensdatenbanken befüllen, Aufgaben anlegen und abarbeiten können und vor allem die Möglichkeit haben, auf Fehler, Missstände oder Verbesserungspotenziale hinzuweisen“, erklärt Schwarz. Hierzu sei es wichtig, auf Software-Seite eine einfache Einstiegsebene zur Verfügung zu stellen, mit der jeder Mitarbeiter arbeiten kann – ohne aufwändige Schulungen.
Usability ist zur Zeit ohnehin eine der Hauptanforderungen an Software für das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung. Mittlerweile ist nicht mehr jeder potenzielle Nutzer der Software-Lösungen automatisch ein CAQ-Experte. Die Systeme müssen sich einfach bedienen lassen. So eignen sie sich auch für Mitarbeiter, die nur sporadisch auf Qualitätsinformationen zugreifen und mit der umfassenden Bedienung des CAQ-Systems nicht vertraut sind.
Auch die Integration mit der übrigen Geschäfts-IT trägt zur Vereinfachung bei. So können sich die Mitarbeiter laut Böhme weiterhin in ihrem gewohnten Arbeitsumfeld wie etwa dem ERP-System bewegen, „das einfach um einen entsprechenden Menüpunkt erweitert wird“.
„Beispielsweise öffnet bei Produktionsstart im ERP-System ein einfacher Mausklick die Qualitätsinformationen zu den vorherigen Aufträgen für genau dieses Produkt“, so Böhme. „Der Mitarbeiter sieht dadurch Fehlerschwerpunkte oder Prozessfähigkeitsanalysen aus dem CAQ, ohne sein ERP-System verlassen zu müssen.“ Umgekehrt seien die Detailinformationen aus dem ERP-System genauso auf Knopfdruck aus dem CAQ-System heraus verfügbar – beispielsweise um bei einer NIO-Prüfung im Wareneingang direkt die Lagerbestände zu überprüfen.
Grundsätzlich hat Integration hohe Priorität. Systemgrenzen müssten aufgebrochen und überwunden werden, fordert Maurath von iqs. „Doppelteingaben und Kontrolle von gleichen Daten in unterschiedlichen Systemen sind nicht zeitgemäß.“
Neben ERP spielt dabei auch die Verknüpfung mit MES eine wichtige Rolle. „Die Grenzen zwischen diesen Prozesslenkungssystemen werden sich in Zukunft immer weiter auflösen“, glaubt Böhme. Bereits heute sei die Vernetzung zwischen CAQ- und MES-Lösungen derart relevant, „dass MES als Bestandteil von CAQ angesehen wird oder – abhängig von der Betrachtungsweise – auch umgekehrt“.
Andreas Kirsch, Vorstand von Guardus (Halle 1, Stand 1617), stößt ins gleiche Horn: „Erst mit MES wird die horizontale Integration mit der erforderlichen Digitalisierung der Produktion ermöglicht.“ MES sei darüber hinaus aber auch die Voraussetzung für die vernetzte digitale Integration. Insofern wird laut Kirsch die drängendste Herausforderung darin liegen, den Sprung vom klassischen CAQ-Denken hin zu IT-Systemen wie MES zu vollziehen, welche die vernetzte Integration unterstützen.
Voraussetzung für die smarte Fabrik
Damit spricht er ein weiteres wichtiges Thema an. Denn ERP und MES sind seiner Meinung nach wichtige integrative Systeme, die als Voraussetzung für Industrie 4.0 gesehen werden. „Insofern ist die Vernetzung von ERP, MES aber auch PLM ein Must-have in der Zukunft“, so Kirsch. Er geht davon aus, dass Industrie 4.0 eine Veränderung im Qualitätsmanagement und den dort eingesetzten Werkzeugen zur Folge haben wird.
Software-Anbieter Babtec verfolgt zwar eine andere Strategie, wenn es um die Verknüpfung mit MES geht. So hält es Krämer für wichtig, sich auf die Kernaufgaben des Qualitätsmanagements und der Qualitätssicherung zu fokussieren, um bei der vorzunehmenden Vernetzung die Informationsqualität und -quantität vor Weitergabe beziehungsweise Empfang genau festzulegen.
Aber auch er sieht Auswirkungen von Industrie 4.0 auf das Qualitätsmanagement. Grundlage sei zunächst das Schaffen von Standards. „Für das Qualitätsmanagement bedeutet das in der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit, dass firmenübergreifende QM-Prozesse standardisiert werden müssen“, so Krämer. Dafür würden bewährte Systeme über neue Technologien verbunden. „Eigene Kompetenzen müssen entwickelt und mit fremden verknüpft werden“, erklärt Krämer weiter. „Dabei führt das Qualitätsmanagement verlässlich durch die Stabilisierung der Prozess- und Produktqualität über die komplette Wertschöpfung in der Lieferkette.“ Das reduziere Risiken für alle Beteiligten, initiiere Verbesserungen auf Produkt- und Prozessebene und schaffe letztendlich auch Wettbewerbsvorteile.
Auch Consense-Geschäftsführerin Bruns erkennt viele Zusammenhänge zwischen Industrie 4.0 und sowohl Qualitätsmanagement als auch Qualitätssicherung. Doch ihrer Meinung gibt es dabei noch einige offene Fragen. „Wie lässt sich ein QMS, welches in ein hochgradig verzahntes und/oder automatisiertes Produktionssystem eingreift, noch verändern?“ Außerdem: Wenn viele Systeme automatisiert miteinander verbunden sind, dann stelle sich die Frage, „wer denn an welchem Rädchen noch etwas drehen darf oder auch kann?“.
Im Moment werden Veränderungen laut Bruns von den Fachleuten vor Ort vorgenommen – beispielsweise durch eine Überarbeitung eines Prozesses. Bei Industrie 4.0 würde dies nur noch im Team gemacht werden können. „Aber wer soll das freigeben und die Verantwortung tragen?“, fragt sich Bruns. Und: „Wer kann die technischen Auswirkungen noch einschätzen? Wie müssen die Lieferanten der technischen Systeme eingebunden werden?“
Während Industrie 4.0 noch zu einem großen Teil in der Zukunft spielt, ist die Revision der ISO 9001 hochaktuell. Die Anpassung des QM-Systems zählt daher laut Bruns zu einer weiteren großen Herausforderung für die Unternehmen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf einem übergreifenden Risikomanagement. „Das Risiko zu bewerten ist nicht mehr nur Thema einer expliziten Risikoanalyse, sondern spielt auch bei einzelnen Reklamationen, der Lieferantenbewertung oder im Change-Management eine große Rolle“, sagt Kirsch von der CAQ AG. Es sei dabei auch wichtig, das Schulungs- und Risikomanagement mit beliebigen Entitäten innerhalb der CAQ-Datenbank zu vernetzen und „somit konsequent den Bedarf zu ermitteln, nachzuverfolgen und an jeder Stelle schnell auskunftsfähig zu sein“. ■

Der Autor
Markus StrehlitzRedaktionQuality Engineering
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