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Lometec-Chef über Chancen und Herausforderungen für Messdienstleister

Lometec-Chef über Chancen und Herausforderungen für Messdienstleister
„Qualität ist auch eine Kostenfrage“

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Extrem kurze Reaktionszeiten bieten zu können, sieht der Lometec-Geschäftsführer als großen Vorteil seines Unternehmens Bild: Lometec
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Lometec leidet wie andere Messdienstleister auch unter der derzeitigen Krise. Im Interview erklärt Geschäftsführer Jörg Werkmeister, wie sich das wieder ändern könnte, wie wichtig die Dakks-Akkreditierung ist und welche Trends er aktuell in der Messtechnik sieht.

» Markus Strehlitz

Quality Engineering: Herr Werkmeister, was spricht dafür, Messaufgaben an einen externen Dienstleister auszulagern?

Jörg Werkmeister: Bei Betrieben mit eigener Messtechnik ist diese in der Regel mit serienbegleitenden Messaufgaben ausgelastet. Kommen dann aber Neubemusterungen hinzu, gehen Unternehmen – projektbezogen – zu einem Dienstleister, um diese Neuprojekte auch zeitlich stemmen zu können. Und genau hier können wir unseren Kunden aktuell extrem kurze Reaktionszeiten bieten. Das ist ein großer Vorteil.

Quality Engineering: Wie wichtig ist dieser zeitliche Aspekt?

Werkmeister: Projekte in der Industrie stehen häufig richtig unter Dampf. Da kommt es – unter messtechnischen Gesichtspunkten – oftmals auf jeden Tag oder jede Minute an. Nicht selten werden Teile per Express oder per Werkskurierdienst geliefert, um hier möglichst keine Zeit zu verlieren. Auch werden die Produktentwicklungszeiten immer kürzer. Das hat zur Folge, dass diejenigen, die in dieser frühen Projektphase zu langsam reagieren, unter Umständen Marktanteile verlieren, weil andere schneller sind. In dieser frühen Phase liefern wir unseren Kunden belastbare Messergebnisse, um ihre Projekte schneller zur Serienreife zu überführen.

Quality Engineering: Welche Auswirkungen hat die aktuelle Krise auf ihr Geschäft?

Werkmeister: Auch wenn es den Anschein hat, dass es langsam wieder bergauf geht: Wir sind weiterhin noch nicht ausgelastet. Gleich zu Beginn der Corona-Pandemie – Anfang 2020 – haben wir einen noch nie dagewesenen Auftragseinbruch erlebt. Aufträge wurden storniert, avisierte Projekte auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt beziehungsweise ganz abgesagt. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass ein Großteil unserer Kunden aus der Automobilindustrie kommt und gerade diese Branche vom Lockdown stark getroffen wurde. Glücklicherweise zählen aber auch namhafte Hersteller aus dem Non-Automotive-Bereichen zu unseren Bestandskunden, die wir aktuell unterstützen. Zudem bedienen wir Industriezulieferbetriebe aus der Luft- und Raumfahrtindustrie bei der Erstellung der First-Article-Inspection-Berichte. Aber auch dieser Industriezweig ist von Corona gebeutelt.

Quality Engineering: Bekommt Qualität grundsätzlich in der Krise eine andere Bedeutung?

Werkmeister: Natürlich ist Qualität für jedes Unternehmen besonders wichtig, gerade jetzt auch, wenn die Auftragsbücher nicht so voll sind. Aber Qualität ist eben auch eine Kostenfrage. Betriebe sparen zur Zeit an allen Ecken und Enden. Deshalb, so unsere Hoffnung, könnte es sein, dass nun verstärkt auf externe Dienstleister gesetzt wird. Denn damit können Betriebe die Qualität ihrer Produkte zu planbaren Kosten überprüfen und mit diesen Erkenntnissen das Qualitätsniveau steigern.

Quality Engineering: Planen Sie eine Erweiterung Ihres Portfolios?

Werkmeister: Nein. Ich bin der Meinung: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Unsere gerätetechnische Ausstattung ist – genauso wie die Qualifikation unserer Mitarbeiter – immer auf Höhe der Zeit. So haben wir im Dezember 2020 in einer Online-Begutachtung durch die Dakks erneut unsere hohe Qualifikation und Kompetenz bewiesen. Diese Akkreditierung gilt für die taktile Koordinatenmesstechnik sowie für das flächenhafte Antasten mittels 3D-Scanning-Systemen von GOM und der nachgeschalteten virtuellen Messung. Durch diesen Nachweis bieten wir allen IATF-16949-zertifizierten Unternehmen die Sicherheit, mit einem von unabhängiger Stelle überwachten Lohnmesslabor zusammenzuarbeiten.

Quality Engineering: Apropos Koordinatenmesstechnik und 3D-Systeme – welche Trends sehen Sie in Bezug auf diese Technologien?

Werkmeister: Zunächst einmal hat jede der in der Industrie eingesetzten Messtechnologien ihre Daseinsberechtigung. Punkten die taktilen und optisch videobasierten Systeme bei der serienbegleitenden Überwachung funktionsrelevanter Merkmale durch ihren hohen Automatisierungsgrad, verschaffen die industrielle Computertomografie und das 3D-Scanning über das flächenhafte Antasten einen ganzheitlichen Überblick über das technische Bauteil. Dies bietet bahnbrechende Vorteile: Analysen lassen sich zerstörungsfrei durchführen. Dank der so gewonnenen Erkenntnissen können die Werkzeuge und/oder das Fertigungsverfahren entsprechend optimiert werden, damit Bauteile das geforderte Qualitätsniveau einhalten. Ich bin mir jedoch sicher, dass die klassischen Messtechnologien auch weiterhin eingesetzt bleiben. Vermutlich jedoch werden diese Systeme Marktanteile verlieren.



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