Allgemein

Schluss mit „Billig“

Dipl.-Ing. Harald Grobholz Chefredakteur
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Im Moment vergeht kaum ein Tag ohne neue Meldungen von Rückrufaktionen qualitativ schlechter oder gar gefährlicher Produkte aus China. Das Streben westlicher Unternehmen nach „Billig, Billig“ in der Produktion hat doch seine Tücken. Müssen tausende Produkte zurück gerufen und vernichtet werden, ist schnell Schluss mit „Billig“. Und wenn die Produzenten der westlichen Welt unisono behaupten, sie müssten aus Wettbewerbsgründen nach China verlagern, dürfen sie sich über den Bumerangeffekt nicht wundern.

Nach Elektrogeräten und weißer Ware ist es jetzt die Spielwarenindustrie, die mit in China gefertigten Produkten die weltweite Mängelliste anführt. Weltmarktführer Mattel hat innerhalb zwei Wochen zwei gigantische Rückrufaktionen gestartet. Grund: die beliebten Figuren für die Kinderzimmer waren giftig! Ein anderer großer amerikanischer Spielwarenhändler musste eine Million Vinyl-Lätzchen für Kleinkinder zurückrufen: zu hoher Bleigehalt! In Neuseeland landeten Woll- und Baumwollprodukte mit bis zu 900 mal mehr Formaldehydgehalt als die WHO für unbedenklich hält! Der TÜV-Süd veröffentlichte Erkenntnisse, dass mittlerweile jedes zweite mangelhafte Produkt in Deutschland aus chinesischer Produktion stammt. Dabei ist meiner Ansicht nach Mangel aber nicht gleich Mangel. Wenn massiv Giftstoffe und gesundheitsgefährliche Partikel in Kinderspielzeug und Kleidung gelangen, ist dies nicht mehr hinnehmbar. Ein mangelhaftes Produkt, das nach einstündigem Gebrauch den Geist aufgibt und auseinander fällt, schafft nur Ärger aber keine körperliche Gefährdung. Wenn man dann noch liest, dass fast alle deutschen Spielwarenhersteller wie Steiff, Ravensburger, Simba, Zapf usw. „auch nicht mehr an China vorbei kommen“, wie ein Führungsmitglied des Internationalen Spielzeugherstellerverbands preisgab, kommt man schon ins Grübeln, ob man seinen Kindern oder Enkeln statt des (billigen) Plastikdinos aus Fernost nicht doch lieber (teureres) Holzspielzeug aus dem Ökoladen unter den Christbaum legt. Apropos Weihnachten: in meiner regionalen Sonntagszeitung war zu lesen, dass inzwischen 80% der in Deutschland gehandelten Spielwaren aus der chinesischen Provinz Guangdong kommen, wo 10.000 neue Fabriken die Kinderzimmer Europas füllen. Für das Weihnachtsgeschäft herrscht dort sogar schon Arbeitskräftemangel. Bei 70 Euro Durchschnittslohn im Monat, Null Arbeitsschutz und Null Ausgaben für Umweltschutz ein lohnendes Geschäft. Peking rüstet sich derweil mit über 30 Milliarden Euro für Olympia 2008 auf.

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